Die gefahrenen Einzeletappen sind bei den jeweiligen Tagen zu finden. Für Vergrösserung der Bilder doppelklicken.
Kyra und ich sind früh am Flughafen und weil es Montag mit wenig Betrieb ist, haben wir unser Gepäck schnell abgegeben. Auch die
Gepäckkontrolle ist ruckzuck vollbracht. Im Zollfreien Bereich kaufe ich mir noch 5 Zigarren, um wenn es passt, mal eine zu rauchen.
Per Bus gelangen wir auf das Rollfeld zum eher kleinen Air Baltic Flieger. Wie ich vermutet habe sitzen wir nun dank der von
der Swiss vorgenommenen Sitzplatzänderung über dem Flügel. Weniger Aussicht und mehr Lärm. Schade. den insbesondere im Landeanflug
auch Stockholm passt das Wetter und es hätte ein paar schöne Bilder gegeben. Der Flughafen Arlanda ist weitläufig und etwas in
die Jahre gekommen. Nach dessen Durchquerung folgt eine kurze Fahrt im vollgepackten Flughafenbus zur Autovermietung. Dank zu
Hause vollzogenem Checkin komme ich schnell zu unserem Wagen. Den tausche ich beim Buchungsabschluss gegen einen mit Carplay um
mittels verbundenem Telefon navigieren zu können.
Die Navigation ist eingerichtet und führt uns auf dem besten Weg nach Stockholm und hindurch, da unser Hotel auf der gegenüber
liegenden Seite des Zentrums liegt. Der beste Weg heisst, dass wir trozdem insgesamt etwa eine Viertelstunde im Stau stehen.
Die Brücken von Insel zu Insel beschränken den Verkehrsfluss. Die Baustellen zu dessen Behebung behindern zusätzlich. Um halb Drei
beziehen wir unser Zimmer im modernen Wohnquartier Hamarby. Danach erkunden wir zu Fuss das Qartier und sehen finden die Anlegestelle
von welcher ein eine Schiff regelmässig zum Stadtteil Djurgarden verkehrt, wo wir uns morgen mindestens das Vasa-Museum ansehen wollen.
Mit Gemüse, Früchten und weiterem aus einem Supermarkt ausgestattet, picknicken wir an einer Promenade. Einige gierige Seemöven betteln.
Zum Glück sind sie nicht so agressiv wie ich es schon anderswo erlebt habe. Trotz des Sonnenscheins fröstelt es mich. Kein Wunder
nach wochelangen Tagestemperaturen über dreissig Grad Celsius. So sind wir um Sieben Uhr zurück im Zimmer. Sehen etwas fern und
schlafen währenddessen ein. Vor Zehn Uhr löschen wir das Licht.
b
Die Nacht war etwas unruhig. Kyra und ich haben uns gegenseitig einige Male ungewollt geweckt. Trotzdem sind wir um Sieben Uhr auf
und frühstücken vom Übriggebliebenen vom Vortag. Schnell noch einmal die Parkier-App nachgestellt bevor wir uns auf den Weg zum Schiff
machen, welches uns zur Vergnügungs- und Museumsinsel Djurgarden bringt. Kaum sind wir am Steg angekommen, legt die "Emelie" auch schon
an. Eine freundliche Angesellte erklärt uns den elektronischen Fahrscheinkauf. Eine Strecke kostet sieben Franken. Keine fünfzehn
Minuten später gehen wir im strahlenden Morgen von Bord.
In Djurgarden erwacht das Leben erst. Zum Glück hat das Museum welches das Wrack der Vasa beherbergt schon offen. Es sind noch wenige
Besucher anwesend und wir können ungestört Bilder machen und die Erklärungen lesen. Die Vasa sollte das stattliche Flaggschiff der
königlichen Flotte von Gustav dem Dritten von Schweden werden. Leider ist es schon bei seiner Jungfernfahrt im Jahr 1628 nach wenigen
hundert Metern gesunken. Es war erste schwedische Schiff, dass mit zwei Kanonendecks ausgestattet werden sollte. Obendrauf hat der König
noch dreingeredet und so ist das Vorhaben gescheitert. Zweifel an der Seetüchtigkeit des Schiffs haben zudemschon vor dem ersten
Auslaufen bestanden. Nach 333 Jahren wurde das Wrack geborgen und restauriert. 95 Prozent sind original erhalten, was den Bedingungen
an der Unglücksstelle zu verdanken ist. Das Museum ist sehr schön und informativ gemacht. Es erzählt auch vieles zu den Opfern die
mit dem Schiff untergangen sind. Wir haben das meiste gesehen und nun um Elf Uhr ist die Hütte schon recht voll. Uns reicht das
Halbdunkel des Schifferhalts und auch der Menschen wegen.
Draussen setzen wir uns auf eine Bank und wärmen uns an der Sonne während immer noch Busladungen voll Turisten ankommen. Ein Museum
darf es für uns noch sein. Die Vikinger werden wir in Visby studieren und so gehen wir zum nordischen Museum. Die Geschichte ab dem
Mittelalter bis zur Moderne ist interessant. Dann ähnelt es dem, was in ganz Europa stattgefunden hat. Also studieren wir das
danach Ausgestellte weniger ausführlich. Etwa um Halb Eins haben wir genug Museum gesehen und wollen nun das reale Leben erkunden.
So machen wir uns zu Fuss auf den Weg zurück zum Hotel. Über eine Brücke gelangen wir von Djurgarden in den Stadtteil Östermalm. Die
Häuser scheinen aus der letzten Jahrhundertwende zu stammen. Die Quartierstrassen sind sehr breit und ruhig. Es ist ein Wohnquartier
mit wenigen Handwerksbetrieben. Als wir in die Nähe des historischen Stadtteils Gamla Stan kommen, wird es deutlich lebendiger. Sicher
auch weil gerade Mittagspause ist. Im Berzelii-Park sezten wir uns für eine kurze Rast auf eine Bank, überqueren danach die nächste
Brücke nach Gamla Stan und gesellen uns damit zu einem Haufen anderer Turisten.
Der Königspalast mit den jungen Uniformierten die Wache schieben, fällt sofort auf. Die Treppe zu einem Eingang nutzen wir aber nicht,
um wie alle anderen die armen Wachknaben anzustarren, sondern als Plattform für ein Foto. Im Gegensatz zu Östermalm sind es in Gamla
Stan Gassen anstelle von Strassen. So wie es von einer mittelalterlichen Stadt zu erwarten ist. Ich lasse Kyra wie schon seit dem
verlassen des Museums weiter den Weg bestimmen. Wo sich die Gelegenheit bietet, machen wir Fotos. Spannend, wie abseits der Hauptgassen
kaum Turisten unterwegs sind. Wir geniessen das. Ebenso die Kanelbullar (Zimtschnecken) welche wir in einem Laden gekauft haben. Bevor
wir die nächste Brücke in den Stadtteil Södermalm überqueren, setzten wir und in ein Café und trinken etwas. In Södermalm folgen wir
der Einkaufsstrasse Götgatan und sehen uns etwas die Läden an. Kyra kann sich noch den Ersatz für die zu Hause vergessene Bürste
kaufen. Hier sind nun wieder deutlich mehr Einheimische als Turisten unterwegs. Auch müssen wir unbedingt noch in einen Bücherladen,
wie Kyra anmerkt. Ihre Erinnerungsstücke aus anderen Ländern bestehen vielfach aus Büchern. Sie findet ein passendes.
Die letzte Brücke die wir passieren, bringt uns zurück in den Stadtteil Hammarby und zum Hotel. Gemäss Kyras Uhr hat sie heute 18'761
Schritte gemacht. Bei mir werden es wegen des Schrittmasses etwas weniger sein. Reichen tut es allemal. Während Kyra neben mir auf dem
Bett döst, schreibe ich einige Zeilen des Berichts. Danach sehe ich mir die Rezensionen des Thais an, bei welchem wir essen wollen. Diese
fallen gemischt aus. So entscheiden wir uns für italienisch. Da wir heute nicht viel gegessen haben, sind wir zeitig beim Italiener.
Leider gibt es das Risotto, welches meine Tochter möchte, nicht mehr und so bestellen wir beide Gnocchi mit Rucola Sauce. Ein kleiner
Verdauungsspaziergang entlang der Promenade am Wasser bildet den Abschluss des Tages. Während ich zum Ort des Fährhafens von morgen
forsche, fällt Kyra neben mir in einen tiefen von lautem Schnarchen begleiteten Schlaf.
Unsere Fähre nach Gotland legt um Neun Uhr ab. Um rechtzeitig im Hafen von Nynäshamn zu sein, fahren wir deshalb vor Sieben Uhr los.
Aus Stockholm hinaus nach Süden hält sich der Verkehr in Grenzen. Stadteinwärts herrscht doppelspuriger Kolonnenverkehr. Dies Bild
ist mir von zu Hause nur allzu vertraut. Um Halb Acht Uhr stehen wir am Tor der Zutrittskontrolle zur Fähre. Den elektronischen
Checkin konnt ich noch im Hotel vor der Abfahrt machen. Wir werden nur nach unseren Vornamen gefragt und können uns in Reihe 4 anstellen.
Dort stehen wir noch eine Halbe Stunde, bis wir auf die Fähre rollen. Nach dem Parkieren im Schiffsbauch sind wir schnell auf Deck
Sieben und finden unsere nummerierten Sitzplätze. Die Fähre legt pünktlich ab. Bei beinahe wolkenlosem Himmel stehen wir dann draussen
und lassen die die Landschaft an uns vorbeiziehen. Schon bald ist nur noch das weite Blau der See und des Himmels zu sehen. Auf unseren
Plätzen lesen wir und vertreiben uns nachher an einem Tisch mit einem Spiel die Zeit. Die Fähre ist bei weitem nicht ausgebucht weshalb
das Entladen schnell vonstatten geht. An der Umfahrungsstrasse von Visby liegen einige Supermärkte. Wir halten bei einem grossen Coop,
um uns mit Lebensmitteln für die nächsten Tage einzudecken.
Nach unserem Einkauf geht es über Land. Kleine Waldparzellen wechseln sich mit Feldern und Gehöften ab. Die in grau, gelb oder dem
typischen Rot gehaltenen Häuser sind ausnahmslos von adrett gemähten Vorgärten umgeben. Beinahe schon kitschig. Keiner scheint mit
Unordnung oder ungemähtem Rasen auffallen zu wollen. Schon gestern ist mir ins Auge gestochen, dass keinerlei Abfälle herumliegen.
Nirgends. Nicht einmal ein Zettelchen im Rinnstein in Stockholm. Keine Dosen am Strassenrand. Das freut mich unglaublich. Ich meine,
so sei es vor einigen Jahrzehnten auch in der Schweiz gewesen. Möglicherweise verkläre ich die Dinge und es war bei uns nie so. Schön
wäre es auf jeden Fall. Die Fahrt durch die von Landwirtschaft geprägte flache Gegend ist kurzweilig. Nach einer halben Stunde finden
wir unsere Bleibe auf Anhieb. Das kleine Häuschchen liegt in einiger Distanz hinter einem Backsteinhaus. Neben dem Eingang steht ein
Tisch mit Stühlen auf der Veranda. Drinnen im etwa sechs mal sechs Meter grossen Erdgeschoss liegen Küche mit Esstisch, Wohnecke und
das Bad mit Dusche, Waschmaschine und Trockner. Eine steile, enge Wendeltreppe führt ins niedere Dachgeschoss mit zwei "Zimmern" mit
je zwei Betten. Die Koffer die Treppe hochzubekommen ist eine herausfordernd. Insgesamt bietet das Häuschen alles was wir brauchen auf
kleinem Raum.
Im Coop hatten wir noch spekuliert, ob wir Öl und Essig für unseren Salat zum Nachtessen vorfinden würden. Leider nein. So sehen wir
nach wo der nächste Laden liegt. Mit dem Auto fahren wir nach Slite und kaufen die fehlenden Zutaten. Auf dem Weg dorthin sehen wir
einige Hinweisschilder. Worauf die genau hinweisen, wollen wir auf dem Rückweg ansehen. Das erste Schild an dem wir dann halten weist
auf eine geologische Formation aus der Entstehungsgeschichte Gotlands hin. Das zweite einige Kilometer weiter, auf einen alten
Bauernhof. Das dritte auf Tjelvars Grab. Wir folgen einer Schotterpiste bis zu einem Schild. Dort befindet sich allerdings ein Steinhügel
auf dem sich einmal eine befestigt Anlage aus der Eisenzeit befunden haben muss. Wirklich zu sehen gibt es nicht. Das besagte Grab liegt
noch etwas weiter. Scheinbar muss es noch mehr zu sehen geben, weshalb wir beschliessen, uns das eine andermal anzusehen. Zu Fuss oder
mit dem Fahhrad.
Währen Kyra eine Salat mit gebratenem Tofu zubereitet, schreibe ich wieder etwas. Nach dem Abwasch nutzt Kyra ihren Netflixzugang und
wir sehen uns einen schwedischen Film an. Als ich nach Kyra um Elf ins Bett gehe regnet es draussen. Die Tropfen trommeln mich in den
Schlaf.
Die kühle und stille Nacht hat mir einen wunderbaren Schlaf beschert. Der Sonnenaufgang weckt mich. Der Vorhang ist nicht gezogen. Ich
mache ein Bild aus dem Fenster, ziehe den Vorhang und lege mich noch einmal hin.
Heute wollen wir mit den Fahrrädern die hinter dem Haus abgestellt sind, die Umgebung erkunden. Zuerst muss ich noch die Reifen pumpen.
Wir durchqueren auf unbefestigten Strassen den lichten und niederen Wald aus Nadelbäumen. Darin liegen einzeln verstreut kleinere
Holzhäuser. Diese scheinen hauptsächlich Feriendomizile zu sein. Wie auch im Ort Ominne in welchen wir schlussendlich an den Strand
gelangen. Ein Teil des Strands besteht aus Steinen. Dort machen wir unseren ersten Halt und versuchen uns im Steine über das Wasser
hüpfen zu lassen. Das gelingt recht gut. Westwärts kommen wir zum Strandabschnitt mit Sand. Während der Sommerferein ist hier sicher
mehr los. Darauf lässt die Infrastruktur schliessen. Nun sind wir beinahe allein. Ausser drei ganz Resistenten, die ins ins Wasser waten.
Bei etwa 17 Grad Luft- und gleich hoher Wassertemperatur kein Vorhaben für mich. Kyra hat sich fest vorgenommen. das auf Gotland einmal
durchzuziehen und auch ich müsse dann rein. Das versprechen kann ich nicht. Wie bei Reptilien funktioniert mein Organismus erst ab 20
Grad Celsius und mehr. Es beginnt zu regnen. Wir stellen uns schon etwas nass unter Bäume und machen zur Überbrückung des Wartens Fotos
auf denen wir Grimassen schneiden. Als der Regen nachlässt, fahren wir weiter. Nachdem wir einen grossen und nun verlassenen Zeltplatz
durchquert und die Hauptstrasse überquert haben, beginnt es wieder zu regnen. Erneut stellen wir uns unter und nutzen die Zeit um etwas
zu essen.
Weiter geht es auf Waldwegen Richtung dem Ort mit der ehemaligen Hügelfeste den wir gestern gesehen haben. Genau genommen gibt es
ausser einer fünf Meter hohen Erhebung im Wald nichts zu sehen. Die Spuren der Bewohner von vor dreitausend Jahren sind längst
vergangen. Aber in etwa dreihundert Meter Distanz liegt das sogenannte "Tjelvarsgrab". In Form eines Schiffes mit Felsblöcken
gestaltet. Es ist etwa 18 Meter lang und 5 Meter breit. Einen Kilometer davon entfernt gibt es einen weiteren grossen und mehrere
kleine Grabhügel. Alles nicht sehr beeindruckend aber immerhin einige Relikte der gotländischen Geschichte. Wir holpern weiter mit
unseren Strassenfahrrädern über die Waldstrassen und zurück zur Unterkunft. Der dunkle Himmel droht mit Regen. Glücklicherweise werden
wir bis wir zu Hause sind davon verschont.
Während wir zurück in unserem Häuschen etwas ausgespannt und das Nachtessen eingenommen haben, hat es wieder aufgeklart. Es ist
beinahe kein Wölkchen am Himmel zu sehen. Kurzentschlossen fahren wir zum Strand nach Aminne und parkieren beim verlassenen
Zeltplatz. Auch nun sind nur vier Leute am Strand. Das spiegelglatte Meer in der Abendsonne schreit förmlich danach zu baden. Wie
aus eingangs beschriebenen Gründen lassen wir es bleiben. Immerhin krempeln wir unsere Hosen hoch und waten bis zu den Knien ins
Wasser. Das sanfte Licht ist ideal um Fotos zu machen. Was wir dann auch tun. Ein wettertechnisch sehr versönlicher Ausklang
für den doch duchzogenen Nachmittag.
Heute seht Visby auf unserer Liste. Mindestens Museum, Altstadt und Ringmauer sollen es sein. Die Fahrt bis in die Nähe der Stadtmauer
dauert eine halbe Stunde. Wir duchschreiten eine der Tortürme und sind in der alten Oberstadt. Nach zehn Minuten in das tiefer gelegene
Zentrum sind wir beim Museum. Im Erdgeschoss finden sich etliche Steintafeln aus der Zeit um tausend nach Christi Geburt. Im ersten Stock
wird vor allem von den Wikingern berichtet. Gotland war zu deren Zeit eine der bedeutensten Drehscheiben des Handels. Sie trieben
Handel bis in den vorderen Orient indem sie die Gewässer mit ihren Schiffen befuhren. Kiev wurde von den Wikingern gegründet. Aus diesem
Grund tragen die Flaggen Schwedens und der Ukraine die Farben Gelb und Blau. Nachfolgend wird dann insbesondere auf die Geschichte von
Visby eingegangen. Von Geschichte als Hansestadt bis zur Eroberung durch die Dähnen. Nach zwei Stunden haben wir das Museum durch und
suchen uns ein Lokal für eine Pause. Die Zeit für den Besuch hat gepasst. Draussen hat es in dieser Zeit geregnet. Am grossen Platz
vor der ehemaligen Katharinenkirche werden wir fündig.
Nach der Pause geht es weiter. Auf dem Platz sind Marktstände aufgebaut. Sie verkaufen vor allem Schmuck welcher überall auf der Welt
in der selben Art angeboten wird. In der Ruine der St. Katharinenkirche wird ein Fest vorbereitet. Gleichzeitig steht eine grosse
Reisegruppe der zerfallenen Gottestätte. Naja, der Platz ist nicht wirklich toll. Auf jeden Fall nicht für uns. Auch werden wir nicht
vom heiligen Geist ergriffen. Kyra übernimmt die Führung Richtung unteres Stadtquartier. Unterwegs sehen wir uns noch zwei Ruinen von
Kirchen an. In einer kann man immerhin durch einen engen Gang einen Stock höher und eine Blick von oben in die Absis werfen. Vierzehn
Kirchen gibt es in der Stadt. Ein Zeichen des ehemaligen Wohlstands über Jahrhunderte. Uns reicht es mit dem kirchlichen Wohlstand und
mit den Kirchen und wir wenden uns dem Weltlichen zu. Im von Kyra gewünschten zu besuchenden Stadtquartier streifen wir umher, setzen
uns eine Weile auf eine Bank in die Sonne und schlendern dann weiter. Die Kopfstein gepflasterten Gassen säumen meist kleine einstöckige
Häuser aus Stein oder Holz. Einwohner sind wenige unterwegs, dafür etlich Turisten wie wir. Den in einem leichten Abhang gelegenen
Botanischen Garten lassen wir links hinter uns und gehen weiter nördlich, bis wir an die auch nach Jahrhunderten immer noch imposante
Stadtmauer kommen. Auch dieses Bauwerk zeugt vom ehemaligen Reichtum der Stadt. Entlang der Stadtmauer gelangen wir schliesslich wieder
in die Nähe unseres Ausganspunktes. Noch muss ich die 300 Kronen in Bar zur Bezahlung zum Gebrauch der Bettwäsche auftreiben. In
Schweden kein leichtes Vorhaben. Alles wird mit Karte bezahlt. Selbst die öffentlichen Bedürfnisanstalten. Von den drei bei einem
Einkaufszentrum verzeichneten Automaten, sind zwei ausser Betrieb. Immerhin kann ich bei einem 400 Kronen beziehen. Da unser Auto
mit den Taschen etwas weiter abgestellt ist, machen wir unseren Einkauf auf dem Rückweg.
Ich wähle den selben Weg zum Häuschen, welchen wir bei unserer Ankunft genommen haben. So sollten wir den Ort passieren, wo vor einer
Autogarage lauter Volvos älteren Jahrgangs stehen. Diese zu fotografieren habe ich beim ersten Mal verpasst. Wie geplant kann ich am
Ortseingang von Endre die vor und neben der Werkstatt abgestellten Wagen ablichten. Bei Ankunft in unseren temporären Heim treffen wir
Tina und unterhalten uns mit ihr. Sie und ihr Mann stammen aus Jönköping vom Festland wo wir auch noch hin wollen. Ich nutze die
Gelegenheit um ihr die dreihundert Kronen zu überreichen. Nach etwas Nichtstun bereiten wir aus den Zutaten die wir gekauft haben,
Zitronenpesto nach Angaben von Kyra zu. Zur Pasta mit Pesto gibt es noch Köttbullar. Das sind die in Schweden beliebten Fleischklösse.
Nach dem italo-schwedischen Mal ruft uns der Strand bei wolkenlosem Himmel. Kyra hat Wasserfarben und Pinsel, die wie Tuschefüller nur
Wasser speichern, mitgenommen. Auch Papier in Postkartenformat, was sich als solche versenden lässt. Das wird eingepackt. In wenigen
Minuten sind wir mit dem Auto beim Zeltplatzparkplatz. Am Strand ist es wunderbar windstill und das Meer spiegelglatt. Wir setzen uns
auf eine der Tisch-Bank Kombinationen die im Sand stehen und malen beide unsere Sicht der Bucht. Die Pinsel mit dem Wassertank sind
etwas gewöhnungsbedürftig. Ich muss mich an die Wasserabgabe gewöhnen. Das Werk wird zum Glück ganz passabel. Kyra macht den Vorschlag,
dass wir uns gegenseitig portraitieren. So setzen wir uns gegenüber und legen los. Zum Glück habe ich nun schon etwas Erfahrung mit
dem Pinsel, sonst hätte ich massiv Probleme mit den Farben. Langsam geht die Sonne hinter den Bäumen unter und wir müssen uns mit dem
Beenden der Portraits beeilen. Wir beide schaffen es rechtzeitig und sind insgesamt zufrieden mit unseren Werken. Nun, da die Sonne um
Acht Uhr hinter den Bäumen verschwindet, wird es merklich kühler. Nach diesem wunderbaren Abschluss des Tage fahren wir entspannt heim.
Unser heutiges Ziel ist der Norden Gotlands mit seiner vorgelagerten Insel. Die Fahrt zum Fährhafen über Slite dauert 45 Minuten. In
Slite betreibt die Firma Heidelberger eine weit sichtbare Zementfabrik. Kein schöner Anblick in dieser Umgebung. Genau so wenig
wie der Krater in der Landschaft dahinter welcher durch den nötigen Kalksteinabbruch entstanden ist. In das Loch, das der Tagebau
aufgerissen hat, schauen wir vielleicht auf dem Rückweg hinein. Kyra will einiges zu Zement und Beton wissen. Aus meinem Berufsleben
bin ich darin Experte und kann genau Auskunft geben. So vergeht die Zeit im Flug und wir sind schon in Farösund wo die Fähre steht.
Gerade als wir auf die aus einigen Autos bestehende Kolonne auffahren beginnt das Beladen. Perfekt wie das klappt. Es sind zwei
Fähren für ungefähr 30 Autos die wechselseitig über den Kanal nach der Insel Farö verkehren. Die Fahrt dauert etwa sieben Minuten
und schon sind wir drüben.
Als erstes wollen wir zum nördlichsten Punkt der Insel. Die Landschaft ist eher karg. Niedriger Nadelwald wird duch Heide und
Wiesland mit Gehöften durchbrochen. Nahe des nördlichsten Punktes halten wir in einem Waldstück und wollen zu Fuss bis zum
vorgelagerten Strand gelangen. Kaum im Wald überfallen uns die Mücken. Zudem ist uns nicht klar wo es lang geht. Trampelpfade
verzweigen in verschiedene Richtungen. Google Maps kennt keinen der Wege. Das nun konsultierte Osmand schon. Wie ich sehe, ist
jedoch keiner verzeichnet, welcher an den Strand führt. So kehren wir um und erwehren uns währenddessen der Angriffe der Mücken.
Etwas weiter nördlich ist auch kein Durchkommen. Die Wege scheinen über Privatgelände zu führen. Wir wollen niemanden stören und
auch keinen Hunden begegnen. Östlicher unseres ersten Versuchs steht ein Leuchturm am Meer dort können wir hin und auch parkieren.
Der Fussweg zum Strand ist kurz. Etwas den steinigen Küste entlang treffen wir auf eine Vogelkolonie und halten vorher, um diese
nicht zu stören. Nach einiger Zeit an diesem windigen Ort kehren wir zurück um ins Naturschutzgebiet von Digerhuvud zu fahren.
In einem Ort dazwischen soll eine Bäckerei liegen. Die fahren wir an. Der Laden läuft wie geschmiert. Es scheint der einzige
Treffpunkt weit und breit zu sein. Es werden allerlei Brote und Leckereien verkauft, welche man gleich vor Ort geniessen kann.
Man merkt, dass die Sommerferien vorbei sind. Es sind nur Rentner unterwegs. Kyra drückt den Alterschnitt merklich. Auch ich
liege um mindestens ein Jahrzent darunter. Wir genehmigen uns einen Tee und einen Kaffee. Dann geht es weiter ins Naturreservat.
Am kilometerlangen und breiten Steinstrand im Park liegt eine teilweise rekonstruierte Ansammlung von kleinen Fischerhütten wie
sie früher von den Bauern genutzt wurden um ihren Spesezettel mit Heringen zu erweitern. Der weite Platz hat mit seiner Weite
etwas verlorenes. Wirklich viel zu sehen gibt es nicht und stundenlang ins Meer starren bringt es auch nicht. Wir rollen der
Küstenstrasse entlang nach Süden. Links von uns begleitet von niederen vom Wind geformten Nadelbäumen und Buschwerk. Rechts der
breite steile Steinstrand. Drei Frauen sind auf dem Pfad etwas unterhalb der Strasse unterwegs. Da es schon 2 Uhr ist und wir
noch das Freilichtmuseum besichtigen wollen welches wir auf der Hinfahrt vor den Übersetzen gesehen haben, machen wir uns auf
zur Fähre. Kurz in der Kolonne gewartet und schon sind wir wieder auf der Hauptinsel Gotland. Das Museum ist im nachfolgenden
Ort. Wir kaufen den Eintritt für 15 Franken pro Person. Bis zur Schiessung bleiben uns noch eineinhalb Stunden. Das sollte
für die Besichtigung reichen.
Die weitläufige Anlage gliedert sich in drei Bereiche mit Höfen aus dem siebzehnten, achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert.
Es ist ähnlich wie bei uns Ballenberg. Die Gebäude wurden an Orten in Gotland demontiert, hier wieder aufgebaut und mit den
nötigen Relikten aus der entsprechenden Zeit ausgestattet. Wir beginnen beim ältesten Hof. Stall, Werkgebäude und Haus sind niedrig
und eng. Es wurde bescheiden gelebt damals. Es ist schon erstaunlich, was an Utensilien die Zeit überdauert hat. Und dabei ist das
meiste aus Holz gefertigt. Wir sehen uns die Höfe aus den drei Jahrhunderten an. Mir fallen die verstellbaren Betten auf. Eines
lässt sich in der Länge und ein anderes in der Breite zusammenschieben. IKEA vor Zeiten Kamprads. Auf dem Gelände stehen auch noch
weitere Gebäude wie verschiedene Mühlen und Sägen. Ausser uns sind noch vier andere Besucher auf dem Gelände und so können wir uns
alles in Ruhe ansehen. Kurz vor Vier Uhr beginnt es zu regnen. Zeit zum Aufbruch da das Museum nun schliesst.
Im Regen fahren wir zurück ins unsere Unterkunft. Bei Slite halten wir kurz um einen Blick in die riesige Grube zu werfen, welche
das Zementwerk in die Landschaft gebrochen hat. Irgendwann soll es dann zu einem See werden. Bei strömenden Regen ereichen wir
unser Häuschen. Heute wird es nichts mit dem Strand werden. Dafür mit Schreiben und Lesen.
Im Osten Gotlands wohnen wir. Visby im Westen haben wir vorgestern besichtigt. Der Norden war gestern dran. Folgerichtig ist heute
der Süden an der Reihe. Ohne Unterbruch dauert die Fahrt dorthin etwa eineinhalb Stunden. Wir wollen uns unterwegs noch einiges
ansehen. Als erstes einen Leuchtturm auf einer Landzunge. Leuchttürme sind Kyras Favoriten. Auf dem Weg dorthin kommen wir an einem
dreitausen Jahre alten Gräberfeld vorbei und halten spontan damit ich mir das ansehen kann. Das aus Steinhaufen, bootsförmig
angeordneten Steinen und aus einzelnen Steinen bestehende Feld liegt in einem Schafgehege. Die meisten nehmen von uns keine
Notiz. Einige finden uns interessant und beschnuppern Kyra. Diese findet die Schafe sowieso besser als die Steinhaufen. Ich
verzeihe ihr das. In der Nähe des Leuchtturms stellen unseren Wagen bei den letzten Bäumen in etwas über einem Kilometer Distanz
vom Leuchtturm entfernt ab und gehen zu Fuss. Ich mit meinen neuen Wanderschuhen um sie etwas einzulaufen. Den zusammen mit zwei
Häuser eingefriedeten Leuchtturm umrunden wir. Ausser uns sind, wie es für uns beinahe üblich ist, noch einige Rentner unterwegs.
Die allerdings sind den Weg zum Turm gefahren. Allzu spektakulär ist der Platz nicht aber der Spaziergang hat gut getan.
Kyra hat tatsächlich schon gestern vorgeschlagen einen meghalitischen Steinhaufen zu besuchen. Der liegt auf halber Strecke bis
zum Ziel. Ich sage nicht nein. Am Ende einer Naturstrasse bei einem Bauernhof muss man noch einige Hundert Meter in die Wiesen
spazieren. Umgeben von alten Steinmauern und kleineren Steinhaufen liegt einer der grössten in Skandinavien bekannten Steinhaufen.
Entschuldigung; Grabhügel. Er misst rund 50 Meter im Durchmesser und ist 7 Meter hoch. Seinen Fuss säumt eine Reihe aus grossen
Blöcken. Mit der umgebenden Landschaft ein schöner Ort. Es wäre interessant zu wissen was damals vor tausenden von Jahren hier
alles abgelaufen ist.
Nun wollen wir aber direkt zu südlichsten Punkt Gotlands fahren. Je südlicher wir kommen, desto offener wir die Landschaft. Diese
Halbinsel ist wie der Rest Gotlands von Landwirtschaft dominiert. Nur ist es hier der kaum vorhandenen Bäume wegen klarer sichtbar.
Unseren Dacia stellen wir auf dem Parkplatz bei einem Café ab. Das Wetter ist schön und die Temeperatur schwedisch sommerlich.
Vom Parkplatz aus geht es über einige Klippen von denen ein Teil von einer abgesperrten militärischen Anlage belegt wird. Leider
müssen wir so die letzten Klippen im Süden auslassen und darum herum zum letzten begehbaren Punkt gehen. Nach etwa zwanzig Minuten
sind wir am Kiesstrand. Vor uns liegen nur noch einige von Vögeln besetzte Felsen im Wasser. Zeit für ein Selfie vor der Umkehr. Nun
haben wir alle Himmelsrichtungen auf der Insel erkundet. Zurück am Parkplatz sehen wir uns das Café an. Wer etwas erwartet wird
entäuscht. Wir hatten uns etwas ähnliches wie vor zwei Tagen im Norden erhofft. Leider nein. In einer beschlagenen Kühlvitrine stehen
wenige begrenzt zum Verzehr auffordernde Tortenstücke. Auch sonst ist die Auswahl karg. Wir hoffen auf etwas Nettes auf dem Rückweg.
Treffen aber nichts dergleichen an. Weil heute Sonntag ist, hat vieles geschlossen. In einem Laden der ICA-Kette kaufen wir Gebäck
und etwas zu trinken. An einem Rastplatz setzen wir uns in die Sonne und verzehren die enttäuschend teigigen Dinger.
Das Wetter ist nun auch in Gothem sonnig. So essen wir zeitig um bei gutem Wetter ein Bad am Strand zu risikieren. Während Kyra
sich besser fühlt, spüre ich ein verdächtiges Kratzen im Gaumen. Das verheisst nichts Gutes. Um Halb Sieben sind wir am Strand.
Die Badesachen haben wir schon Zu Hause angezogen. Ich bringe das Moblitelefon in Position, um diesen hystorischen Moment des
Eintauchens in die Ostsee zu dokumentieren. Der erste Versuch wird beim ins Wasser waten abgebrochen. Das schlechte Wetter hat
unzählige hübsche Quallen ins seichte Wasser gespült, wovor Kyra Respekt hat. Ich kann Sie überzeugen, dass dies harmlos sind. Ein
beleibtes Paar in unserer Nähe stört sich auf jeden Fall nicht daran. Der zweite Versuch gelingt bis zum Hals als Kyra laut kreischend
das Weite sucht, weil sie eine Qualle am Bauch kleben hatte. Auf jeden Fall waren wir kurz im kühlen Wasser. Den Beweis gibt es
auf Video. Nach dem Abtrocknen ist es Zeit den Rest des Abends in unserer Hütte zu verbringen. Wir waren heute genug unterwegs.
Da ich gestern um Zehn schon eingeschlafen bin, erwache ich um halb Sieben. Das Kratzen im Gaumen ist deutlich heftiger als gestern,
was mich aber nicht demotiviert, eine Runde rennen zu wollen. Eigentlich wollten Kyra und ich das zusammen machen, sie ist noch nicht
wach und auch noch krank. Ich werde einmal die Kiesstrasse durch den Wald nehmen, welche wir am ersten Tag mit dem Fahrrad gefahren
sind. Nach zwei Kilometern bin ich an deren Ende und mag noch gut laufen. Leider kenne ich die Wege durch den Wald nicht und weder
Google Maps noch Osmand zeigen zusammenhängende Waldwege an. So renne ich entlang der kaum befahrenen Hauptstrasse zurück, was am
Ende ein Dreieck von etwas über fünf Kilometern Distanz ergibt. Als ich zurückkomme ist Kyra auf. Ich dusche und wir frühstücken.
Die Klippen gestern waren nicht der Hammer. Für den heutigen Tag besteht kein Plan und somit fahren wir zu Klippen eine Viertelstunde
südlich von Visby in einem kleinen Schutzgebiet. Die Klippten liegen einige Gehminuten vom Parkplatz entfernt. Eine Tafel warnt vor
den überhängenden Klippen. Mit Bodenmarkierungen wird der einzuhaltende Sicherheitsabstand zur Kante signalisiert. Ich bin einige Meter
darüber als mich eine Frau gestikulierend darauf hinweist. Hätte es nicht gebraucht aber danke. Es ist ein schöner Platz mit tollem
Blick nach Visby und damit einige Bilder wert.
Vom Reservat fahren wir zur Stadtmauer um noch einmal die Gassen der Altstadt zu durchstreifen. Diesmal Richtung Süden bis an ein
Stadttor. Bis dorthin sehen wir uns einige Läden an. Darunter selbstverständlich auch einen Bücherladen. Heute sitzen wir wie erhofft
in einer Bäckerei mit Café. Die Kardamomschnecken sind top. So gestärkt geht es weiter durch die Altstadt bis zum Zentrum in dem die
meisten Turisten anzutreffen sind. Wie gewohnt eher höheren Alters. Gegen Mittag haben wir genug gesehen und bringen die PET-Flaschen
in den Supermarkt zurück. Für die kleinen gibt es eine, für die grossen drei Kronen. Das sollte bei uns auch eingeführt werden.
Insbesondere für die Dosen welche regelmässig an den Strassenrändern zu finden sind. Das wäre einmal ein Vorhaben für die Bauernlobby,
anstelle mit Plakaten an die Vernunft zu apellieren und sich sonst für Agrar-Subventionen stark zu machen. Wir kaufen das Nötige
für unser Nachtessen. Vor allem auch Wasser. Das Wasser aus dem Hahn kann man zwar trinken, ist für uns beide eher ungeniessbar.
Es hat eine "ölige" Konsistenz wie Salzwasser ohne aber danach zu schmecken.
Den Rest des schönen Nachmittags wollen wir zum letzten Mal am Strand verbringen. Wir müssen heute noch unser Haus putzen, da es
morgen früh los geht. Die Fähre legt um Zwanzig vor Acht ab. Am Strand sind genau drei Paare anwesend. Kyra und ich, ein Ehepaar das
sich auf Liegestühlen sonnt und eines das etwas entfernt FKK macht. Während ich wegen meiner Erkältung bei beinahe wolkenlosem Himmel
mit Daunengilet am Tisch vor dem Meer sitze. Wir haben wieder die Wasserfarben dabei. Ich versuche mich erneut an einem Portrait der
Bucht. Kyra malt zwei Personen am Strand. Mein Bild will mir nicht gelingen. Das von Kyra sieht besser aus. Es ist Halb Fünf Uhr
Nachmittags und wir müssen heim um zu packen und zu putzen. Bis um Sechs Uhr habe ich das meiste nach Anweisung der Eigentümer erledigt
während Kyra kocht. Nach dem essen Putzen wir noch was möglich ist und setzen uns in die Abendsonne um zu spielen bis diese
untergeht.
Meine Erkältung bereitet mir Mühe beim Ein- und Durchschlafen. Ab Drei Uhr schlafe ich nicht mehr richtig und stehe deshalb eine
Stunde eher auf. Zu tun gibt es noch genug. Geschirrspühler ausräumen ohne Lärm zu machen um Kyra nicht zu wecken. Bettwäsche
abziehen und so weiter. Kyra ist wie besprochen um Sechs Uhr wach und schnell bereit. Wir erldigen die letzten Handgriffe und fahren
wie geplant um Halb Sieben los. Nach Routenplaner müssten wir spätestens um Zehn nach Sieben vor der Fähre stehen. Das ist zehn
Minuten bevor der Zugang geschlossen wird. Wir schaffen es fünfzehn Minuten früher und können uns gleich in die Kolonnen stellen
während vor uns die Fahrzeuge schon in die Fähre fahren. Alles klappt wie am Schnürchen und wir legen pünktlich um Zwanzig vor Acht
ab.
Nach zwei Stunden auf offener See kommt zur linken Seite Öland in Sicht. Wir nähern uns Oskarshamn wo nach drei Stunden entladen
wird. Im Ort verlassen wir die Karawane der Autos um bei einem ICA-Supermarkt unser Nachtessen und weiteres zu kaufen. Hähnchen
ist ausverkauft. Wir behelfen uns mit Tofu. Leider. Auf dem Parkplatz steht ein rosafarbener Dodge Challenger. Eine sehr spezielle
Farbe für einen amerikanischen Musclecar. Schade sehe ich nicht, ob der Wagen einer Frau gehört. Auf der Schnellstrasse geht es
Richtung Västervik. Auf halber Strecke müssen wir diese verlassen und auf eine Hauptstrasse ausweichen. Auch gut. So sehen wir mehr
von der Gegend. Nach einer Stunde treffen wir in Västervik ein. Zu früh um unsere Unterkunft zu beziehen. Wir parken am Wasser und
gehen einen kurzen Fussmarsch ins Zentrum. Västervik scheint nach dem was wir sehen, eine ruhige Kleinstadt zu sein. Im Zentrum in der
Fussgängerzone setzen wir uns in ein Café um die Zeit bis zum Einchecken zu überbrücken. Auf dem Rückweg zum Auto sehe ich eine
Tafel mit Werbung für Speedway heute Abend. Das Stadion ist mir schon auf dem Weg ins Zentrum aufgefallen. Kyra ist zu meinen
Erstaunen dabei. So fällt das Nachtessen für Speedway ins Wasser. Da ich in meinem Alter noch nie einen solche Anlass besucht habe,
muss das sein. Diese Chance wird sich kaum noch einmal ergeben!
Unser Gartenhaus liegt im Hinterhof eines hübschen Holzhauses in einem Einfamilienquartier. Alles ist extrem sauber und nett
eingerichtet. Wenn auch etwas kleiner als in Gothem. Wir haben noch einige Stunden Zeit bis zur Türöffnung des Speedway Anlasses
um Halb Sechs und gehen die zehn Minuten zu Fuss ins Zentrum. Kyra will sich einen H+M ansehen. Dort kauft sie sich tatsächlich eine
Hose. Auch ich probiere eine an. Der zur Zeit angesagte Schnitt ist definitiv nichts für mich. Beim Haus zurück treffen wir das
Eigentümer-Paar in meinem Alter an. Wir unterhalten uns und Uffe gibt mir Tips zum Parkieren, da er selbt zum Speedway geht. Somit
sollte alles klappen heute Abend.
Die Parkfelder der Einkaufszentren in der Nähe der Speedway Arena sind schon gut gefüllt und dei Leute pilgern zum Oval. Der
Kartenkauf für die Tribüne ist im Nu erledigt. Bei wunderbarem Spätsommerwetter sitzen wir um Halb Sieben in den Leuten und harren
der Dinge die da kommen. Kurz vor Sieben werden die beiden aus sechs Fahrer bestehenden Mannschaften präsentiert. Die Einheimischen
und jene von Dackarna. Dann geht es los. Immer je vier Fahrer, je zwei von jeder Mannschaft, treten zu einem vier Runden dauernden
Lauf an. Alle drei Läufe wird die Aschenbahn von Traktoren präpariert. So geht das bis um Neun Uhr. Dabei werden die Läufe zunehmend
umkämpfter und somit spannender. Unter Jubel der etwa viertausend anwesenden Zuschauer gewinnt ein Västerviker den fünfzehnten und
letzten Lauf. Kyra und ich hatten mit den auswärtigen sympathisiert Die Arena leert sich schnell. Ebenso die Parkplätze des
Einkaufszentrums. Wir machen uns auf den von Uffe angekündigten Stau bereit. Was wir aber antreffen, ist kein Stau. Auf jeden Fall
nicht für Zürcher Verhältnisse. Anstelle von acht brauchen wir etwas zehn Minuten für den Heimweg. Dort angekommen essen wir noch
etwas. Ich bin vom langen Tag und der Grippe geschafft. Um Zehn schlafe ich keine Minute nach dem Ausknipsen des Lichts.
Es ist erneut ein strahlender Spätsommertag als wir durch Västervik zur Halbinsel Gränsöleden fahren. Vorbei an Slottholmen, einem
Hotel das durch ABBA-Benny mitgegründet wurde. Im Zentrum der Insel stellen wir den Wagen ab und machen uns auf die etwas zehn
Kilometer lange Wanderung entlang der Küste. Die ganze Runde wäre etwa über zwölf Kilometer. Die etwa Zehn werden auch reichen, da
mir die Grippe doch sehr zusetzt. Vom zu Hause geschmiedeten Plan der Wanderung wird aber nicht abgewichen. Es ist die einzige
Wanderung in dieser Art und wir sind nur heute einen kompletten Tag in Västervik. Im Gulag konnte auch keiner Pause machen.
Unser Weg ist flach wie die Landschaft im allgemeinen und bietet wunderschöne Aussichten. Erst auf das gegenüberliegende Västervik,
später auf die Bucht davor und auf der anderen Seite in die Ferne zu den Schären-Inseln. An schönen Plätzen setzen wir uns hin,
betrachen die Landschaft und das Meer und wandern dann weiter. Wäre ich nicht so krank, würde ich ins Meer hüpfen. Quallen hin oder
her. Abgesehen davon, dass die häufig vorkommende Ohrqualle harmlos ist. Es bleibt beim Verlangen. Als Entschädigung erhalten wir
einen Traumtag und ebensolche Blicke in die Landschaft. Nach knapp fünf Stunden haben wir unsere Runde geschafft. Auch ich bin es.
Wir fahren in unsere Wohnung in die Stadt.
Ich bin platt. Die Grippe leistet ganze Arbeit. Eigentlich wollten wir noch einmal zusammen in die Innenstadt um ein Brot zu kaufen
und Ersatz für meinen defekten Gürtel besorgen. Daraus wird nichts. Kyra muss alleine losziehen. Ich bleibe auf dem Bett liegen. Mein
Kopf läuft Sturm. Gegen Sechs ist sie zurück. Sie hat ein Nussbrot beim Bäcker besorgt und sich sonst noch etwas in der Stadt
umgesehen. Das Nachtessen will sie alleine kochen, was mich sehr freut. Mit dem Essen kehren meine Lebensgeister merklich zurück.
Ich habe genug Energie für einen gemeinsamen Spaziergang durch den Stadtpark und zur roten Backsteinkirche. Beim Einnachten sind wir
zurück und lesen vor dem Schlafen noch ein wenig.
Wie üblich steht vor der Abreise die von den Gastgebern vorgegebene Reinigung an. Was möglich war haben wir schon gestern gemacht. Der
heutige Rest ist schnell erledigt. Die Fahrt nach Vimmerby zum Hof wo Astrid Lindgren aufgewachsen ist, dauert etwas mehr als eine
Stunde. Kurz vor Zehn Uhr Uhr bei Türöffnung sind wir vor Ort. Kyra will zur Ausstellung noch die separate Führung durch das eigentliche
Geburtshaus von Astrid Lindgren machen. Bis zur Führung auf Deutsch haben wir eine Stunde Zeit, uns die Ausstellung anzusehen. Zur
Einführung erzählt sie, wie sie als Kind zum ersten Mal geschichten gehört hat, und seit damals davon fasziniert war. Dann beginnt es,
mit ihrer Kindheit und der Hilfe auf Pachthof, dem Spielen und Ausleben jeglicher Fantasie bis zur Pubertät welche sie dieser welt
entriss und in die Welt der Erwachsenen brachte. Eine nächste grosse Zäsur war die ungewollte Schwangerschaft mit Achtzehn. Ihren
unehelichen Sohn Lasse musste sie im Jahr 1925 im Exil in Dänemark zur Welt bringen und dort in einer Pflegefamilie lassen. Im "Exil"
in Stockholm machte eine eine Ausbildung zur Bürofachkraft und begann mit dem Schreiben. Damit konnte sie sich zurück in die Kindheit
und in die Geborgenheit der vermissten Fantasie begeben. Bald hatte sie Erfolg mit ihren Geschichten, konnte ihren Sohn zu sich holen
und mit einem Mann eine Familie gründen. Sie bekam noch eine Tochter. Die nächsten Jahrzehnte verhalf sie dem Kinderbuch weltweit
zur Anerkennung, engagierte sich sozial und politisch. Die Ausstellung ist für Kinder und Erwachsene gleichermassen informativ gemacht.
Spannend der Fakt, dass sie ihre Geschichten erst in ihrer Art der Stenoschrift zu Papier brachte und dann mit Schreibmaschine schrieb.
Ein Punkt den ich nur zu gur nachvollziehen kann. Der Gedankenfluss und die daraus resultierende Kreativität werden somit weniger
gebremst.
Wir unterbrechen unseren Rundgang für Kyras Teilnahme an der Führung durch das Geburtshaus von Astrid Lindgren. Ich vertreibe mir die
dreiviertel Stunden bei Kaffee und einem Kanelbuller. Danach sehen wir uns den Rest der Ausstellung an. Mein absolutes liebstes Bild der
Schriftstellerin ist jenes, wie sie in Alter von etwa 80 Jahren einen deutlich grösseren Skinhead an den Hosenträgern packt und ihm ins
Gewissen redet. Es wäre spannend zu wissen wie der Skin das erlebt hat, wie er heute denkt und lebt. Danach sehen wir uns den grossen
Garten mit den Pflanzen und Ecken zum Verweilen und Träumen an. Das Anwesen welches heute in Vimmerby integriert ist, lag vor hundert
Jahren deutlich ausserhalb des Ortes. Nachdem auch ich noch einen Blick auf das in der Ecke des Grundstücks liegende Geburtshaus
geworfen habe können wir weiter. Das ganze Anwesen wurde vor Jahrzehnten von Astrid Lindgren gekauft und gehört samt der Ausstellung
der Familie.
Die nächsten zwei Stunden sind wir auf der Schnellstrasse nach Jönköping unterwegs. Zur Unterkunft müssen wir die Stadt durchqueren.
Die Einzimmerwohnung in einem neuen Wohngebäude ist spartanisch eingerichtet. Die Pfannen sind nicht sauber. Nach den beiden tollen
Unterkünften sind wir etwas entäuscht. Für zwei Nächte wird es gehen. Wir nehmen zu Fuss den Weg über einen Laden westlich zum der
Stadt gelegenen Seeufer. Dort schauen wir den Badenden zu. Ich wate aus Neugier auch hinein und schätze die Temperatur um die
achtzehn Grad. Lange bleiben auch die Einheimischen nicht im Wasser. Ich überlege mir, ob das Baden bei meiner abklingenden Grippe
heilend oder krankeitsfördernd wäre. Spielt keine Rolle wir haben die Badesachen sowieso nicht dabei. Entlang des Seeufers gehen
wir zur Wohnung zurück. Nach dem Nachtessen sehen wir uns auf dem Laptop "The Goonies" aus den Achtziger Jahren an. Es freut mich,
dass Kyra den auch nicht schlecht findet.
Nachdem gestern der Wunsch Kyras erfüllt wurde, ist heute meiner dran. Der Besuch des Husqvarna-Museums in der gleichnamigen Ortschaft.
Hier war nicht der Ort der Namensgeber der Fabrik, sondern die wegen der dort vorhandenen Wasserkraft angesiedelte königliche
Waffenfabrik hat mit ihrer Arbeitersiedlung der heutigen Stadt den Namen gegeben. Um dorthin zu gelangen, durchfahren wir Jönköping
von West nach Ost. Wie immer sind wir kurz nach Türöffnung dort. Der Eintritt beträgt moderate 10 Franken pro Person. Im Erdgeschoss
wird anhand von Ausstellungsstücken und Beschreibungen der Werdegang des Konzerns aufgezeigt. Dieser hat sich an vielem ersucht. Als
Waffenfabrik vor dreihunder Jahren gegründet, an Nähmaschinen, Fahr- und Motorrädern, Haushaltsgeräten aller Art, Generatoren,
Schneemobilen sowie Garten- und Handwerksgeräten. Heute davon übrig geblieben, ist die Produktion von Forst- und Gartengeräten.
Im Obergeschoss werden mehr Ausstellungsstücke aus der Produktion gezeigt. Dutzende Nähmaschienen und Fleischwölfe zum Beispiel.
Mich interessieren besonders die Motorräder. Die ersten zu Beginn des letzten Jahrhunderts waren sogar mit Schweizer Motoren
ausgestattet. Leider sind viele der schönen Stücke zu dicht beeinander positioniert, was insbesondere das Fotografieren erschwert.
Nach zwei Stunden ist unser Rundgang zu Ende. Ich finde es schade, dass der obere Stock nich so liebevoll gestaltet ist wie das
Erdgeschoss, wo es um die Firmengeschichte ging.
Kyra schlägt vor, einen Rosengarten zu besuchen. Nach zehn Minuten im Auto sind wir dort. Es blühen nur noch wenige Rosen und weitere
Blumen. Aber das ist in Ordnung so. Der Wind mit bewölktem Himmel verleit dem Garten einen eigenen Reiz, der mir mehr gefällt als
strahlender Sonnenschein. Zudem liebe ich das Rauschen der Blätter in den Bäumen. Die öffentliche und kostenlos zugängliche Anlage
ist sehr sehr gepflegt. Zwei Gärtnerinnen giessen emsig. Wir durchstreifen den Garten in alle Richtungen und machen Bilder. Dann geht
es weiter in die Innenstadt.
Als erstes stärken wir uns bei Getränk und Gebäck. Dann ziehen wir durch die Gassen der mit modernen Gebäuden durchsetzten Altstadt.
Uns fallen die jungen Menschen mit ihren verschiedenfarbigen um die Hüften verknoteten Overalls auf, welche unterwegs sind. Ich frage
zwei Jungs in grünen Overalls ob diese eine Bedeutung haben. Die aus England stammenden Wirtschftsstudenten erklären, dass diese zu
bestimmten Anlässen getragen werden. Wie nun zum Studienbeginn. Am Hafenkanal sehen wir dann was abgeht. Auf der einen Seite des Kanals
ist eine Gruppe von etwa zehn studentischen Vortänzern die sich zu Tecnobeats bewegt, auf der anderen Seite machen die zirka zweihundert
Studenten die Moves nach. In der ganzen Innenstadt sind Studenten in ihren Overalls Unterwegs. Der Brauch des Overall tragens hat den
des Fracks vor rund fünfzig Jahren abgelöst. Er ist vor allem in Schweden und Finland verbreitet. Seit wenigen Jahren auch in Deutschland
in Aachen. Gewaschen darf der Overall nicht direkt werden. Einzig das Baden im Vätternsee ist damit gestattet. Wirklich sauber wird er
bei dem kalten Wasser nicht werden. Es ist eine Freude die Studenten ausgelassen am Kanal tanzen und durch die Gassen gehen zu sehen.
Zurück in der Einkaufsmeile kann ich endlich einen Ersatz für meinen zerbröselnden Gürtel kaufen. In einem Outdoorladen erwerbe ich
noch einen Funkenschaber, womit ich versuchen will, zu Hause einmal bei Gelegenheit ein Feuer zu entzünden. Dafür braucht es absolut
trockenes Material als Zunder. Das wird eine Herausforderung!
Der Husten und der Vollmond haben mich lange am Einschlafen gehindert. Nach etwa fünf Stunden Schlaf klingelt der Wecker. Wir wollen
um Neun Uhr im Tiveden Nationalpark sein um die knapp Zehn Kilometer um einen See zu wandern. Die Fahrt dorthin dauert zwei Stunden.
Kurz gefrühstückt, aufgeräumt und wir sind weg aus Jönköping. Die Fahrt ist mässig spannend. Leider liegt die Strasse deutlich
oberhalb des Vätternsees. Wir sehen davon kaum etwas. Die letzte Viertelstunde fahren wir nach Osten in den Park. Dieser ist klar
am Wechsel vom bewirtschafteten zum unangetastetem Wald zu erkennen. An einem der Zugänge angekommen sind wir um Neun Uhr und
beinahe die Ersten.
Das Wetter ist bewölkt aber Regen wird es keinen geben. Im Park sind verschiedene Touren möglich. Einige lassen sich auch kombinieren.
Wir halten uns an die violette Runde, die uns um einen See führen wird. Das Navi muss ich nicht bemühen. Der Weg ist gut markiert und
ebenso gut zu erkennen. Ein Spaziergang ist es nicht. Gleich zu Beginn - wir wandern im Gegenuhrzeigersinn - geht es hoch und runter
über Felsen. Entschädigt wird man mit wundervollen Ausblicken in die Landschaft und über den See. Nach dreieinhalb Kilometer über
Stock und Stein wir unsere erste Rast an einem langen menschenleeren Sandstrand. Das dunkle Wasser vor uns kräuselt sich leicht vom
Wind. Sonst ist es still. Wir geniessen und verinnerlichen den Anblick. Die nächsten drei Kilometer sind etwas flacher mit weniger
Höhenunterschied. Der Pfad ist komplett naturbelassen. Die blanken Steinflächen bieten guten Halt. Die des nächtlichen Regens wegen
die nassen Wurzeln weniger. Meine neuen Wanderschuhe bewähren sich und machen mich glücklich. Alles passt. Nichts drückt. Der Halt ist
super. Gelegentlich treffen wir Leute. Draussen auf dem See ist eine Gruppe Erwachsener mit Kanus unterwegs. Der Wind trägt alle
Geräusche der Umgebung bis zu uns. Wir kommen an einem Platz vorbei wo von sechs Uhr abends bis zehn Uhr morgens gezeltet werden
darf. Es stehen zwei Zelte dort. Andere haben in der Hängematte übernachtet. Das möchte ich auch können. Leider schaffe ich es bis
heute nicht auf dem Rücken zu schlafen. Wenn sich mein Körper entspannt, rutscht mir die Zunge nach hinten und ich erwache deswegen.
Ich muss das daheim wieder üben. Vieleicht gelingt das Schlafen auf dem Rücken mit der Zeit.
Wir machen an einem einsamen Platz am Wasser Mittagspause. Währenddessen sind die Kanuten auf ihrem Rückweg. Es sind noch 1.6
Kilometer bis zum Zugang 2. Ein kurzes Wegstück verläuft auf der Zugangsstrasse dorthin und daran vorbei. Wir haben nun nach drei
Stunden über sechs Kilometer der Runde erwandert. Der restliche Drittel verläuft über einen Hügel. Das ist zwar anstrengend, dafür
ist der Wald mit seinen Flechten, Moosen und Farnen wunderschön. Wie schon auf dem ganzen Weg mache ich regelmässig Bilder zur
Erinnerung und dem späteren Illustrieren des Berichts. Die Beine werden langsam müde, doch das Ziel kommt in Sicht. Auch hören
wir mehr Stimmen. Das liegt an den Leuten die sich am Samstag Nachmittag am See vergnügen. Nach vier Stunden sind wir am Ausgangspunkt
zurück. Neu angekommene machen sich bereit zum Abmarsch. Wir ruhen uns bei einem kleinen Imbiss aus. Danach geht es zum letzten
Etappenziel in Schweden nach Örebro.
Wie schon üblich kaufen wir vor Ankunft am Ziel noch die nötigen Esswaren. Die grossen Lebensmittelläden haben in Schweden auch
Sonntags von 7 Morgens bis 23 Uhr Nachts geöffnet. Einkaufen beinahe zu jeder Zeit. Fünf Minuten vom Einkaufszentrum entfernt liegt
unsere romantische Unterkunft auf einem ehemaligen Bauernhof. Im ersten Stock eines Holzgebäudes ist die Wohnung mit Schlafzimmer,
WC, Sitzecke und Küche. Das Ganze vermittelt im Gegensatz zu den bisherigen Unterkünften den totale rstikale schwedische Flair.
Uns gefällt das total. Die Dusche mit Waschküche liegen im Erdgeschoss wofür man die Wohnung verlassen muss. Ich treffe Henrik
unseren Gastgeber und unterhalte mich einige Zeit mit ihm. Danach richten wir uns für die letzten zwei Nächte in Schweden ein.
Das Ausschlafen hat gut getan. Örebro ist nicht die Stadt der grossen Sehenswürdigkeiten. Auf jeden Fall nicht soviel wir in
Erfahrung bringen können. Ein Schloss, ein Park und eine Ansammlung von historischen Gebäuden gibt es zu sehen. Alles liegt
nebeneinander und ist gut zu Fuss zu erkunden. Deshalb eilt es nicht zum Schloss zu gelangen, das wir als erstes ansehen wollen.
Nach einer Viertelstunde Fahrt parken wir in der Nähe und sind vor Elf Uhr an der Kasse. Der zweite und dritte Stock des
Schlosses auf der seit hunderten Jahren bebauten Insel können besichtigt werden. Es wird etwas zur Baugeschichte erzählt. Die
Räume sind eher leer. Nur die Wände hängen voller, teilweise dem Stil der Zeit geschuldeten, Bilder. Es sind vor allem Adelige
oder die Ahnengalerie der ehemaligen Statthalter. Am spannendsten ist die temporäre Ausstellung der britischen Künstlerin Kirsty
Mitchell. Sie scheint zwar Fotografin, aber die Vobereitung zu den Bildern mit all den Dekors und Kleidern dauern Monate. Ihre
Herkunft aus der Modeszene ist deutlich zu erkennen. Es ist zwar nicht unbedingt mein Stil aber die Mischung aus Fantasie,
Mystischem und leicht Unheimlichen ist faszinierend. Spannend ist das Video, welches zeigt, wie ein solches Bild vorbereitet
und in Szene gesetzt wird. Für mich hat diese Ausstellung das eher öde Schloss mit seinen Königportraits und sonst wenig
Substanz gerettet.
Das Durchqueren des Parks bringt uns Wadköping, dem Platz mit den alten Gebäuden näher. Kyra fällt auf, dass die Spielplätze in
Schweden viel mehr bieten als in der Schweiz. Das scheint auch mir so. Möglicherweise haben die Kinder dies dem Engagement von
Astrid Lindgren zu verdanken. Der Park ist, wie alle die wir in Schweden gesehen haben, gut gepflegt und sauber. In einigen Minuten
sind wir hindurch und bei den alten Holzhäusern. Sie sind eine Mischung aus Freilichtmuseum und Läden. Die Läden bieten gezielt
Waren für die Besucher an. Keiner davon zieht uns an. Nur die Bäckerei mit Tee, Kaffee und Kardamom-Hefegebäck hat Erfolg. Bei
akzeptablem Wetter sitzen wir draussen und sehen den Turistengruppen mit ihren Führern zu. Es geht danach wieder durch den Park
in die entgegegesetzte Richtung und dann etwas durch ein sonntäglich menschenarmes Stadtquartier bis zum Mietwagen.
In unserem Schwedenhäuschen liest Kyra während ich schreibe. Später spielen wir Triominos und spazieren eine Runde durch das
angrenzende Waldgebiet. Schon ist es Zeit für unser letztes Nachtessen in Schweden. Es besteht hauptsächlich aus den Resten
des gGekauften plus Salat für Kyra, worauf ich keine Lust habe. Wieder heisst es, das was schon heute erledigt werden kann zu
machen, da wir morgen zeitig los müssen. Zum Abschluss des Abends sehen wir uns die zweite Hälfte der Biografie von Johnny Cash an.
Der Tag beginnt um Sechs Uhr Dreissig. die letzten nötigen Handgriffe um den Haushalt ordentlich zu verlassen sind bald erledit.
Die Fahrt bis zum Flughafen dauert zwei Stunden. Kurz vor der Rückgabe des Mietwagens tanke ich noch voll. Der Benzinpreis ist etwas
gestiegen, beträgt aber immer noch keinen 1.40 Franken. Geplant war, um Zehn Uhr den Wagen abzugeben. Wir sind es früher dran und
werden gleich zur Übergabe eingewiesen. Keine fünf Minuten später stehen wir an der Bushaltestelle und warten auf darauf zum Terminal
Vier mitgenommen zu werden. Von dort geht es dann zu Fuss in den Terminal Fünf. Mit der elektronischen Boardingkarte auf unserem
Mobiltelefon lassen wir die Gepäsckscheine aus dem Automaten. Selbst bei m Baggage-Drop ist alles automatisch. Gepästück wägen,
Gepäsckschein einlesen und der Koffer verschwindet auf dem Fiessband.
Was wir an Zeit bei der Gepäckaufgabe gewonnen haben, benötigen wir bei der Zollkontrolle. Der Andrang ist gross. Wir stehen sicher
eine halbe Stunde in der Schlange. Mir solll es recht sein, wenn sie genau kontrollieren. Zeit haben wir noch genügend. Endlich
sind wir durch und begeben uns Richtung Abflugpforte. Dort können wir noch über eine Stunde warten bis zum Zusteigen in die
Maschine der Air Baltic. Warten heisst es auch im Flugzeit weil sich unser Landefenster in Zürich verzögert. Nach dem
Start kann sich sogar etwas schlafen und so sind die zweieinhalb Stunden Flug im Nu vorbei. In Zürich Holt uns Reni ab und
bringt heim.