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Renovation Marshall JTM100 Super PA Amplifier

Bei einem Gespräch mit einem Musikerkollegen wurde Ende des Jahres 2008 an meinen ersten Verstärker erinnert. Dieser fristete seit Jahrzenten sein Dasein in der Garage. Weshalb ich ihn nicht längst entsorgt hatte, kann wohl nur der Name Marshall erklären. Schon beim Kauf für 150.- Euro im Jahr 1986 sah er sehr mitgenommen aus. Schriftzug und Typenplakette fehlten bereits damals.

Also das Teil mal aus der Versenkung geholt und Marshall angefragt. Jetzt wurde es konkret. Es müsse das Modell JTM 100 Super PA Typ 1968 sein. Mehr war nicht zu erfahren. Also habe ich nächtelang selbst im Netz recherchiert. Es war wie im Krimi und das Ergebnis das folgende. Der Verstärker stammt anhand der Seriennummer und der Plexiglasfront welche von 1965 bis Anfang 1967 produziert wurde entsprechend aus dem Jahr 1966. Um zwei Kanäle erweitert wurde er als Super PA verkauft. Die Basisplatine entspricht dem womit die Geschichte des Rock geschrieben wurde. JTM steht für Jim and Terry (Sohn) Marshall. 100 für die Ausgangseistung von 100W. Die Modellkennzeichnung 1968 hat kein Bewandtnis zu einem Jahrgang. Die JTM 100 wurden mit nur leichten Modifikationen als Gitarren-, Bass-, Orgel- oder eben Publikumsverstärker verkauft. Vor allem auf Drängen der Who wurden die Verstärker damals immer potenter gemacht. Ensprechend war der JTM 50 sein Vorgänger. Legenden wie Jimi Hendrix, Led Zeppelin und Eddy Van Halen haben sich und damit auch Marshall Verstärker berühmt gemacht.

Die Hälfte der Arbeit machte allein das Herstellen der ursprünglichen Erscheinung aus. Den schwarzen und darunter noch zum Vorschein kommenden roten Anstrich sorgfältig zu entfernen hat rund 10 Stunden gebraucht. Relativ früh muss einmal der Trafo eingegangen sein. Dieser war durch ein 50-Watt Modell der JMP- (Jim Marshall Products) Reihe aus den frühen Siebzigern getauscht worden. Die Verkabelung war entsprechend geändert. Etliche Röhrenschäden zwangen zum Austausch der Sockel durch irgendwelche Teile aus dem Fundus. Zwei Potentiometer waren neben etlicher spröder Kabel auch defekt. Auch die Netzbuchse war mal getauscht worden. Ebenso wurde damals wohl die Hauprsicherung nach aussen verlegt. Die Originalfassung habe ich wie innen vorgefunden belassen. Der Grossteil der Platine bestand noch aus Originalteilen und war höchstens teilweise lieblos gelötet worden. Einer der Hauptkondensatoren fehlte ebenso. Die Betriebslampeslampe gab beim ersten Funktionsstest nach zwanzig Jahren den Geist auf.
In einem ersten Schritt wurden die Mängel bis auf den Trafo behoben.

Unzählige Stunden der Recherche später habe ich mich entschlossen den Amp so nah dem Ursprungszustand zu bringen wie möglich. Ein Originaltrafo zu bekommen ist kaum möglich und würde eventuell über tausend Euro kosten. Also habe ich einen Nachbau aus den USA verwendet. Das schwierigste war die Schaltung auf den originalen Stand zu kontrollieren und bringen. Es existiert nur ein rudimentärer Schaltplan der Hauptplatine aus den Sechziger Jahren. Erschwert wurde das Ganze dadurch, dass damals gerade verbaut wurde, was an Bauteilen auf dem Markt zu kriegen war. So zu erkennen am Mk5 Logo auf der Plexifront und dem Mk3 Logo auf dem Kunsstoffaufleimer hinten. Durch Abgleichen mit den bekannten Schwestermodellen per Fotos und Pläne gleicher Baureihen, denke ich dies möglichst original rekonstruiert zu haben. Um das Wissen nicht wieder verdunsten zu lassen, habe ich gleich so "nebenbei" noch Schaltschemen gezeichnet. Mit Originaltrafo wäre das Teil über 3000.- Euro wert. Aber auch wenn es so nur weniger als die Hälte ist, bereitet mir der Besitz eines seltenen Teils der Musikgeschichte (meiner eingeschlossen) viel Freude.

Hier meine Schaltpläne:
- Schemaskizze
- Schaltplan

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