20. Dezember 2010 bis 19. Januar 2011
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Nach 6 Stunden vom Flug leicht betäubt suchen wir erst einen Ort wo geraucht werden kann. Die einzige Gelegenheit sind 10 unbelüftete Quadratmeter, wo sich bei dem Gedränge eigentlich noch die Zigaretten sparen liessen. Hineinstehen würde für Yvonne schon reichen! Später findet sich eine bessere Möglichkeit, aber zu einem Minimalkonsum von 8 Franken pro Person. Nun sind es nur noch drei Stunden Wartezeit bis zum acht Stunden Flug nach Jakarta.
Das noble Zimmer am Rand des Flughafens von Jakarta können wir
lange wach geniessen. Weil uns der Jetlag nur etwa 2 Stunden schlafen lässt. Der
Wecker der um fünf Uhr klingelt ist deshalb eigentlich
unnötig. Später nach dem üppigen Morgenessen
in Form eines Toastes stehen wir
um Sieben wieder am Flughafen.
Immerhin sind heute nur zwei Stunden in der Luft zu
bewältigen, und so erreichen wir mit halbstündiger
Verspätung Makassar auf Sulawesi.
Den Weiterflug nach Bali buchen wir zur Vermeidung von
unnötigen Ticketausgaben gleich jetzt. Das Mieten eines Wagen ist
schwierig. Ohne Fahrer geht kurzfristig nicht. Also kosten uns
der Van,
Fahrer Umar und das Benzin 55 Franken am Tag. Alles ohne Kilometerbegrenzung. Um Drei
fahren wir los. Umar erklärt uns dabei
einiges über das Land und die Leute. Bei einem Halt zur
Verköstigung der landestypischen Spezialitäten muss
Yvonne noch für ein Foto mit Einheimischen die sich mit einer weissen Frau
ablichten lassen wollen posieren.
Nach Anbruch der Dunkelheit kommen wir in der von uns gewählten Unterkunft an.
Der Preis ist für das gebotene zu hoch. Immerhin können wir diesen
drücken und schlagen so unser Nachtessen heraus. Für
ein Weitersuchen ist das Angebot nicht vorhanden und wir zu müde. Bei gesamthaft
fünf Stunden Schlaf in 48 Stunden auch kein Wunder!
Morgen sollen wir die Gelegenheit ergreifen und entgegen unserer
Pläne den Strand eine Begräbniszeremonie in den
Bergen besuchen.
Schon die Nacht hat es geregnet und die tut es auch bei
unserer Abfahrt nach Acht. Noch immer sind wir nicht ganz auf lokale
Zeit eingestellt und entsprechend wenig haben wir geschlafen.
Bevor wir die Berge hinauf kurven sieht die Landschaft noch einmal wie
gestern aus. Scheinbar endlose Strassendörfer welche manchmal
von den dahinter liegenden Reisfeldern durchbrochen werden. Dann
beginnt die Umgebung welche uns mehr, wahrscheinlich weil von daheim gewohnt,
entspricht. Eine Art Appenzell
im Tropenformat. Bei einem kurzen Halt
geniessen wir die Aussicht
und unsere erste Schlangenfrucht.
Im Land der Toraja angekommen laden wir noch Jussip auf, welcher uns zur
Bestattungszeremonie Einheimischer begleiten wird auf. Entlang der
Nebenstrasse durch die Berge halten wir öfters um die
typischen Torajahäuser
mit den hochgereckten Giebelenden zu fotografieren.
In den Mulden dazwischen gehen die Bauern der Reisernte nach. Mit
dem Wetter haben wir Glück. Seit wir auf rund tausend Metern
Höhe angekommen sind, scheint die Sonne.
Nach fünf Stunden seit unserem Aufbruch erreichen wir irgendwo
im Hinterland die Begräbniszerremonie. Zu unserer Beruhigung erfahren
wir von Jussip, das das eigentliche Schlachten der Opfertiere schon
vorüber ist. Die letzten der 20 Büffel werden gerade
noch zerteilt. Die Szene
aus Tierteilen, Innereien und dem unverdauten Mageninhalt welcher herumliegt wirkt
beinahe schon unwirklich, aber der Geruch hält uns in der
Gegenwart. Um nicht allzu fest als fremde Eindringlinge zu wirken und
unsere Mägen zu beruhigen werden wir erst der Familie vorgestellt.
Nach kurzer Einführung und Reichung von Kaffee und Kuchen
überreichen wir unser Gastgeschenk. Unsere Beklemmung und die
Zurückhaltung der Trauerfamilie weicht langsam. Einzig das
Abhacken der Hörner an den Büffelköpfen
gleich neben uns macht wenig Appetit auf mehr Kuchen. Die Hörner werden
später an den Dachstäder genalgelt. Was Yvonne die Gerüche
stören, sind bei mir das dauernde Zerlegen der Tiere. Zum
Glück sprechen einige Anwesende etwas Englisch was uns hilft
dass das Gegenübersitzen nicht allzu peinlich wird. Dann werden wir sogar aufgefordert
für mit ihnen zu posieren.
Wir unterbrechen die Unterhaltung höflich um uns noch einiges erklären
zu lassen. Morgen findet erst die richtige Bestattung statt. Die Tote
wurde wie öfters praktiziert mit Hilfe von Chemie haltbar gemacht bis die Familie alle Vorbereitungen
getroffen oder genug Geld beisammen hat. Sie ruht nun auf einem separat
erstellten Anbau am Haus. Auch sonst wurde zur Verköstigung der mehren
hundert Anwesenden Provisorische Hütten erstellt. Die ganze
Feier dauert insgesamt drei Tage. Doch mit dem Beschreiten der Szene realisieren
wir wieder richtig was sich um uns abspielt. Während die Fleischstücke
für wohltätige Zwecke an die Anwesenden versteigert werden,
benötigen wir je länger je mehr eine Auszeit. Jedoch
sollten wir uns vorher noch
von der Familie verabschieden. Dabei muss der Gastgeber Yvonne aber noch
dringend seine Bilder der Schlachtung zeigen. Sie wirkt sehr begeistert!
Es wird immer noch munter weitergehackt. Mit dem Versprechen Schokolade
und die gemachten Bilder zu schicken werden wir entlassen.
An der Strasse beim Auto kommen wir wieder etwas auf den Boden
zurück. Wir hätten uns vorher selbst kaum zugetraut
einer solchen Szene beizuwohnen, aber manchmal ist man härter
im Nehmen als man denkt. Auf dem Weg zur Unterkunft setzt auch hier in den Bergen
der Regen ein.
Unser "Taxi" holt uns um Neun bei Sonnenschein ab. Wir wollen
in gemächlichem Tempo die alten Grabstätten der Toraja
abklappern. Als erstes biegen wir in ein Seitental nach Londa ab. An
einer senkrechten Karstwand sind entsprechend der sozialen Stellung die
Holzsärge
auf verschieden Höhen angeordnet. In der
sich am Fuss befindenden Höhlen die niederen Sippen, zuoberst
die Noblesse. Etwa 30 Meter über Boden. Die
Leibeigenen wurden wohl sonstwo vergraben. Die
Ansammlung von Bestattungen über Jahrhunderte zeigt sich durch
blanke Schädel bis Särge die etwa vierzig Jahre alt
sind. Yvonne wird vom kurz gemieteten Führer aufgefordert mit
Schädeln zu posieren.
Der Einheimische hatte wohl zuviele einfältige Touristen! Einfach so würden wir das
aus Respekt vor der Kultur nicht tun.
Weiter in Lemo sehen wir Gräber in Felsnischen welche von
ihren hölzernen Abbildern bewacht werden. Beim Rundgang kommen
wir an Buden vorbei welche von den Besitzlosen bewohnt werden. Hier ihr
Badezimmer
im Feld. Obwohl offiziell einer Demokratie
angehörend, sind im Land der Toraja die alten Feudalstrukturen
noch kaum verändert vorhanden. 70% besitzen nichts und dienen
den Landbesitzern wie Leibeigene,
die anderen gliedern sich grob in drei
Kasten mit den Fürsten zuoberst. Der Sklavenhandel wurde erst
vor hundert Jahren abgeschafft. Je reicher der Landherren, desto mehr
Reisspeicher
stehen auf seinem Sitz.
In Buntu steht in einem Bambushain ein alter Baum in welchen in
herausgehauenen Nischen nur die noch zahnlosen Kinder beigesetzt wurden.
Diese Nischen wurden mit Bambusdeckeln versiegelt. Im Verlauf der
Zeit schloss der Baum
seine Wunde wieder und die Kinder gingen so
in den Kreislauf zurück. Für mich ein
schöner Brauch, wie die Kinder wieder in den Schoss der Natur
zurückkehren. Zum Abschluss folgen noch einmal eine offene
Höhle mit Holzsärgen und vielen Knochen und danach in
kurzer Distanz die "Königswand" wo die
Fürsten in ausgemeisselten Nischen in einer hohen
Kalksteinwand noch heute begraben werden.
Immer mehr wird uns klar das unter der vermeindlich christlichen
Fassade beinahe intakte Toraja Traditionen lebensbestimmend sind.
Nur werden die meisten nicht mehr direkt an den Felswänden
beerdigt, sondern in Grabhäusern in deren
Nähe. Alle Handlungen darum herum entsprechen den
uralten Traditionen. An der Bestattung eines Fürsten vor
zwölf Jahren waren mehrere tausend Gäste geladen. Die
Zeremonie dauerte eine Woche. Man stelle sich das Gemetzel an
Opfertieren vor wenn am Anlass dem wir beiwohnten schon 20
Büffel geschlachtet wurden. Wohl kein einfacher Anblick
für ungewöhnte Gemüter!
Wir haben hier genug Totenkult gesehen und holpern auf Nebenstrassen unserer
Unterkunft entgegen. Auch das Schütteln reicht allmählich.
Kurz vor dem Hotel steigen wir für das Nachtessen aus und
verabschieden uns von Umar. Danach kaum im Zimmer angekommen beginnt
es wieder wie aus Eimern zu schütten. Wir feiern noch ein
wenig meinen 44 Geburtstag.
Wir sind im südlichsten Zipfel Sulawesis im Badeort
Bira angelangt. Dies in zwei Tagen und nach etwa vierzehn Stunden
Fahrt. Hier ein Bericht der im Vergleich zum Toraja-Land
vergleichsweise öden Tage:
Bei gutem Wetter verlassen wir Rantepao Richtung Süden. Der
engen sich durch die Berge windenenden Hauptstrasse folgen wir gegen
Süden. Die uns bereits vertrauten hochgezogenen Giebel der
Häuser
werden immer weniger, bis wir vor dem Passieren des Bogens
welcher die Provinzgrenze markiert schliesslich
gar keine mehr sehen. Noch lange bleibt uns die kurvenreiche Strasse
und die Berge erhalten. Bis ins Flache reisen wir auf der selben
Strecke zurück, welche wir gekommen sind. Etwa vier Stunden
nach Abreise wenden wir uns nach Osten gegen Sengkang. Aber bevor wir
dort ankommen geht es nun mehrheitlich durch von Reisfeldern
geprägte Ebenen. Gut weitere drei Stunden später sind
wir in da.
Wenig nach dem Ortseingang biegen wir in eine Nebenstrasse ab um die
hiesige Seidenweberei zu sehen. Unter einem Grossen Holzhaus sitzen
drei junge Mädchen an Webstühlen
und das
gleichförmige Klacken verrät konzentrierte Arbeit an
den Arbeitsgeräten. Eine webt einfarbig blau, die anderen
Wechseln manchmal Braun gegen Weiss in den Schiffchen um Streifen
auszubilden. Die Arbeit wird von einer speckigen Alten auf einer
Rattanliege beaufsichtigt. Gegenüber sind die Produkte zum
Verkauf ausgelegt.
Im Hotel angekommen sind wir zum ersten Mal zufrieden mit der
Sauberkeit. Aber man soll den Abend nicht vor dem Morgen loben.
Endlich können wir gegenüber unseres Hotels auf das
Internet zugreifen und Mails lesen.
Bis zur Dämmerung durchstreifen wir noch den grossen Markt der
an einem seichten Binnensee gelegenen Stadt. Ich kaufe mir ein
Paar Riemenlatschen und Yvonne versucht sich mit den hiesigen
Gepflogenheiten vertraut zu machen. Da wegen Feiertag das
Hotelrestaurant geschlossen ist, essen wir Nudeln aus dem Becher.
Tauchsieder sei Dank.
Auch heute fahren wir wie gewohnt um acht Uhr ab. Einen Wecker haben
wir nicht gebraucht. Der Muhezzin um drei war noch zu
überhören, aber der Hahn gegenüber im
Dachgeschoss um Fünf nicht mehr! Auch auf das
spärliche Morgenessen können wir verzichten. Die
Fahrt ist kurzweilig und die hügelige Landschaft
abwechslungsreich. Dem auch hier im Land der Muslime stattfinden
Feiertag und Wochenende gemäss ist wenig Verkehr. Sind
Menschenansammlungen zu erkennen, dann nur aus folgenden drei Gründen.
Der vielersorts abgehaltene Markt ist an den Mopeds und Kleinbussen in
Haufen auszumachen. Eine weisse Flagge am Strassenrand signalisiert
einen Toten in einem Haus und Zelte mit Bestuhlung und Musik zeugen von
einer Hochzeit.
Das letzte Wegstück verlang uns mit den tausend
Schlaglöchern noch einmal Geduld ab. Endlich neigt sich die
Strasse hinunter nach Bira. Wir fragen in einigen Unterkünften
nach den Preisen, schliesslich wollen wir diesmal etwas Nettes
bewohnen. Auf Anraten unseres Fahrers landen wir dann etwa einen
Kilometer weg vom Treiben am anderen Ende des Strandes in einer
einsamen kleinen Anlage
mit vier Bungalows. Nicht sehr preiswert, aber wir wollen uns das
gönnen. Ich kann dem weissen Sandstrand und den Wellen nicht
widerstehen und stürze
mich zum ersten Mal in den Ferien in die Fluten.
Der heutige Tag verläuft entspannt und aufreibend zugleich.
Einerseits haben wir kein grosses Programm geplant, andererseits
müssen wir dringend noch eine Unterkunft auf Bali
organisieren. Zu unserem Glück ist in einem der Bungalows ein
Holländer anwesend, welcher in Bali ein Reisebüro
betreibt. Er gibt uns etliche Ratschläge und seine Karte.
Überhaupt bekommen wir endlich einige grundlegende Infos zum
Fortkommen in Indonesien, was unsere Reisepläne ziemlich auf
den Kopf stellt!
Wir brechen wegen der Ebbe um Neun zum Strandspaziergang
auf. Sonst kann man den Kilometer bis an das andere Ende nicht begehen, da einige
Klippen bei Flut umspühlt werden. Der feine weisse Sand
ist menschenleer. Nicht einmal am eigentlichen Bira-Beach ist jemand auszumachen.
Während des Gehens mache ich die ersten Anrufversuche. Nun
gilt es auf Antwort zu warten. Eine Stunde später sind wir von
unserer entlegenen Ecke an der Promenade in Bira angelangt. Auch hier
ist tote Hose. Somit können wir immerhin mühelos den
einzigen Internetzugang im Ort für mein Homepageupdate und
Mailabruf nutzen. Wie ich feststelle werden die
Gästebucheinträge nicht mehr übernommen,
aber wir können sie lesen.
Ich rufe den Kontakt erneut an und erreiche die richtige Person.
Wie schon lange befürchtet ist dort über Neujahr die
Hölle los. Einzig in Candi Dasa ist noch etwas frei. Zwei
Stunden vom Flughafen entfernt. Zudem muss bei Verbleib über
den Sylvester in den bessern Unterkünften noch am Dinner
teilgenommen werden was mit siebzig Franken zu Buche schlägt.
Pro Person wohlgemerkt! Wir buchen mangels Alternative. Wie auch
erfahren ist das Selbstfahren von Bali
nach Jakarta devinitiv nicht möglich. Der ÖV ebenso
umständlich wie immer zu bewältigen. Also lautet der momentane Plan
Bali mit einem gemietetem Fahrzeug zu umrunden. Mit dem Schiff nach Lombok
übersetzen und weitersehen. Möglicherweise per Flugzeug bis Surabaya fliegen.
Weiter mit Mietwagen inklusive "Kindermädchen" auf den Vulkan Bromo und bis
Yogyakarta. Zum Schluss mit der Bahn in sieben Stunden zurück
in die Hauptstadt für den Heimflug da für die selbe
Strecke mit dem Auto rund zwei Tage nötig sind. Davon Einen im
Verkehr um Jakarta!
Noch einmal geniessen wir den beinahe perfekten
Strand mit einem Bad.
Wer weiss was uns sonst noch in diesem Land erwartet. Auf alle
Fälle ist unser Budget zur Zeit arg strapaziert.
Wir entschliessen uns schon am 28. nach Makassar
zurück zu fahren. Da uns sonst am 29. ein stundenlanger Marathon
bevorstände. Noch einmal verinnerlichen wir den Anblick des
Strandes vor dem Aufbruch. So ruhig und einsam wird es wohl kaum mehr
werden. Zudem steht uns wie wir wissen zuerst die selbe Rumpelpiste wie auf dem Hinweg bevor.
Nach einer halben Stunde halten wir um den traditionellen Schiffbau der
Einheimischen zu bestaunen. Was die Jungs hier zusammenzimmern konnten
wir schon gestern im Hafen von Bira ansatzweise erahnen. Dort sprach ich
mit einem Spanier welcher schon das sechste Schiff bauen lässt
und dort für den Innenausbau
ankert. Am Strand von Tanah Beru werden Schiffe aller Grössen gezimmert. Die grossen
für Europäer, meist für Tauch- oder
Touristenfahrten. Das Grösste
misst sicher über
fünfzig Meter Länge. So wenig die Leute eine Ahnung
vom Umgang mit Stein und Zement haben, so viel verstehen sie vom
Holzbau. Manche Rümpfe werden ohne Schrauben noch mit Zapfen
gefertigt. Ich kann ohne Probleme die Rohbauten
besteigen und mich
umsehen. Keiner stört sich daran. Einzig ein "Hello Mister"
ist manchmal zu hören. Einer hätte gern eine
Zigarette von mir. Ich bin abgesehen von gelegentlichen Zigarren leider Nichtraucher.
Es geht weiter. Das Wetter
wird immer schlechter während
wir der entlang der Südküste nach Makassar fahren.
Nach fünf Stunden sind wir in der Stadt. Der Regen hat wieder
aufgehört. Yvonne ist vom Gewimmel welches hier herrscht
erschlagen. An so etwas muss sie sich erst gewöhnen. Weiter im
Zentrum wo unser Hotel liegt wird das Chaos zum Glück etwas weniger. Wir
checken ein und machen gleich vor Anbruch der Dunkelheit noch einen
Rundgang. Ich bestelle Mie Goreng Jawa ohne genau zu wissen was da so
alles dabei ist. Und tatsächlich sind da
"Fleischstücklein" von ungewohnter Konsistenz dabei. Nieren,
Hirn oder Hoden oder so. Ich sortiere leicht amüsiert aus! Kaum für die
Körperpflege zurück im Hotel beginnt es wie aus
Eimern zu schütten, und das für drei Stunden. Wir bleiben drin.
Nach ruhiger Nacht, das weiss man hier ja nie so genau, nehmen
wir unser
Frühstück ein. Das erste Mal stehen wir vor
einem richtigen Buffet. Dies auf einem Imitat eines Schiffes aus Blech
über dem Wasser. Das Fort Rotterdam zu welchem wir danach zu
Fuss gehen, hat nicht viel zu bieten. Ein dem hiesigen Standart
entsprechend lieblos eingerichtetes
Museum ist das eindrucksvollste daran. Noch wird fleissig an den
historischen Gebäuden restauriert. Sollten sie fertig werden,
können sie gegenüber gleich wieder beginnen. So fachlich
solide wird hier gearbeitet. Ist halt wie erwähnt kein Schiff....
Um Zwölf bringt uns unser Taxi zum Flughafen. Einen kleinen
Umweg ist uns der alte Hafen wert. Die Enge und das
Chaos erscheinen
trotz des Drecks noch liebenswert. Taglöhner schleppen
Reissäcke von einem LKW zum Schiff. Mich nimmt es Wunder was
so ein Sack wiegt und hebe beim Laster einen an. Etwa 20 Kilo. Aus
Spass deute ich dem Jungen auf der Ladefläche an er solle mir
mal wie den Arbeitern drei laden.
Zur Belustigung der Einheimischen schleppe
ich sie bis überdie Planke zur Ladeluke. Dann geht es weiter zum Flughafen.
Nun sitzen wir hier und schlagen die drei Stunden bis zum Abflug tot.
Yvonne mit Rumlaufen und ich mit diesem Bericht.
Wir können den Zeitplan einhalten. Abfahrt vom
Flughafen in Bali um Acht Uhr abends und dann Richtung Nordosten zum
Hotel. Das anfängliche Verkehrschaos um Kuta wird immer
weniger, bis schliesslich kaum mehr Verkehr auf den Strassen ist. Bald
auch wissen wir auch weshalb. Die Leute kleben gebannt vor den
Fernsehschirmen. Heute läuft das Endspiel Indonesien-Malaysia
des Asiencups. Zum ersten Mal mögen wir Fussball wirklich!
Um Zehn sind wir im Resort. Wir beeilen uns um noch etwas essen zu
können. Schon im Dunkeln
lässt sich erahnen das wir
an einem schönen Ort gelandet sind. Etwa so wie man das aus
den Prospekten der Reiseveranstalter kennt. Einzig der Strand fehlt.
Nicht das es nie einen gegeben hätte. Die Deppen haben hier
vor Jahrzehnten das vorglagerte Riff für Baumaterial
ausgebeutet und somit den Gezeiten ermöglicht, den Sand
wegzuschwemmen. Hier noch ein Bild um euch den Schnee noch etwas
intensiver geniessen zu lassen. Noch etwas zum Wetter allgemein.
Die Tagestemperaturen liegen um die 25-30 Grad, es geht meist ein
leichter Wind und die Regenzeit ist nicht wirklich schlimm. Meist
regnet es Abends. Vielleicht etwa drei Stunden pro Tag insgesamt.
Den Tag gehen wir gemächlich an und geniessen den "Luxus"
um uns.
Am Nachmittag gehen wir entlang der Hauptstrasse
nach Candi Dasa. Etwa
drei Kilometer Weg in der Hitze des Nachmittags. Durch die dichte
Bebauung entlang der Küste geht nicht der geringste Luftzug.
Die benötigte Pause legen wir in einem Restaurant mit WIFI
ein. So kann ich die Homepage aktualisieren. Schon vorher haben wir
einen Typen wegen eines Mopeds angefragt. Es soll 20 Franken
für drei Tage kosten. Noch einmal fragen wir jemanden
deswegen. Nun sind es fünfzehn Franken für
dreieinhalb Tage. Wir mieten es sogleich um Morgen etwas in der Gegend
rumkommen zu können.
Mit dem gemieteten Moped rollen wir los um in Amlapura den
ehemaligen Fürstenstempel der Herrscher von Ostbali und Lombok zu
besichtigen. An der ersten Ampel im Ort wollen wir uns orientieren.
Glücklicherweise gleich vor einem Kontrollposten der Polizei.
Ein Uniformierter weist uns erst mal zurecht das man hier auch bei Rot
links abbiegen könne. Fragt sich nur weshalb die linke
Abbiegespur überhaupt eine Ampel braucht? Zum Dank
für das Vorweisen des internationalen Führerausweises
erklärt er uns dann noch den Weg. Yvonne salutiert zum
Abschied.
Trotzdem drehen wir mehre Runden durch die Einbahnstrassen in der Stadt
bis wir am Ziel sind. Leider ist der Palast
nicht gerade in bestem
Zustand. Einerseits wegen Schäden durch ein Erdbeben und
andererseits durch den hiesigen Schlendrian. Eben dieses Beben
veranlasste vor 50 Jahren die Leute den Namen der Stadt von Karangasem
in Amlapura zu ändern und somit die Götter davon
abzulenken. Wie wir dem Gästebuch entnehmen, sind wir bisher
die einzigen Besucher an diesem Tag. Kein Wunder bei den
Einbahnstrassen! Wir wandeln durch die labyrinthartige
Anlage. Alte
Fotos zeigen den ehemaligen Herrscher.
Teils mit seinen zehn Frauen, oder mit den Gästen in gesteiften Hemden aus Übersee.
Im Pavillon in Palastteich warten die traditionellen Instrumente
auf ihren nächsten Einsatz.
Weiter geht es mit fünfzig Stundenkilometern nach Ujung zum
Wasserpalast der ehemaligen Regenten. Nach vier Kilometern sind wir
dort. Wir nehmen zufälligerweise den Dienstboteneingang und
umgehen ungewollt den Eintritt von einem Franken pro Person. Die Hitze
um Ein Uhr ist immens. Der Pavillon
im Wasser ist etwas
kühler. Wir machen Fotos mit Selbstauslöser und
fahren dann noch etwas weiter entlang der Küste nach Norden.
In einer kleinen Anlage an schwarzem Sandstrand
ruhen wir eine kurze Zeit aus. Hier ist man wahrlich weg vom Trubel.
Der Platz gefällt uns gut.
Auf dem Rückweg halten wir in erneut in Amlapura. Um unsere
Reise weiter und besser organisieren zu können kaufen wir eine SIM-Karte.
Die Karte selbst kostet unglaubliche sechzig Rappen und
enthält ebensoviel Gesprächsguthaben. Wir stocken
dies um elf Franken auf. Etwas weiter kaufen wir in einem erstaunlich
grossen Supermarkt noch das Lebensnotwendigste wie Haarspray und
Cognac!
Nun harren wir im Resort gespannt der Dinge die uns da erwarten. Schon
den ganzen Tag wird aufgebaut und organisiert. Wer mich kennt weiss wie
sehr ich organisierte Fröhlichkeit im Kreis von mir
unbekannten Menschen mag. Yvonne geht es ähnlich. Immerhin
haben wir noch keine Waffen gesichtet mit welchen sie uns zur Teilname
zwingen könnten. Halt, da war doch das Schwert des soeben
eingetroffenen Vortänzers.....
Das Gala-Dinner ist nicht so schlimm wie befürchtet.
Alles läuft ohne Belästigungen ab. Wir sitzen in der
Nähe des Buffets
und eröffnen dieses, wenn auch
unbeabsichtigt. Ich halte mich an die einheimischen, Yvonne an
die europäischen Gerichte. Unheimlich was ich heute essen mag.
Beinahe drei Mal von allem. Vorspeise, Hauptgang und Nachtisch. Als Unterhaltung werden
balinesische Tänze
und Vorstellung von traditionellen
Kostümen
dargeboten. Wir stehlen uns um 10 Uhr davon. Nicht
als einzige wie wir bemerken. Mit Rum stossen wir auf das Neujahr an.
Den Neujahrstag verbringen wir hauptsächlich mit dem Versuch
einen Flug nach Java zu buchen. Online-Buchung ist nicht
möglich. Also reservieren wir telefonisch. Das geht. Das
Bezahlen mit Kreditkarte per Telefon wird mich aber noch lange
beschäftigen. Zur Beruhigung meiner Nerven nach etlichen
Versuchen sehen wir uns in der
Nähe noch ein Dorf
der Ur-Balinesen an. Mit unseren
Mammut-Jacken gerüstet fahren wir im Regen das Tal hinauf wo
die in sich geschlossene Gesellschaft in ihrem Dorf lebt. Die Häuser
der Leute gruppieren sich entlang zweier parallel verlaufender,
gepflästerter Strassen. Überall ist der selbe Krempel
für die Touristen ausgestellt. Tücher, bemalte
Eier
und auf Bambus geritzte Kalender. Die spezielle Anordnung der
Häuser ist eine
interessante Abwechslung zur balinesischen-hinduistischen Architektur.
Zurück im Resort organisieren wir ein Mietauto. Einen Suzuki
Jimny für 22 Franken pro Tag. Erst gegen Abend klart es auf
und wir sind glücklich wieder einen Tag Ferien weniger zu haben.
Die Automiete klappt, das Bezahlen des Flugs jedoch immer noch nicht.
Wir laden und fahren los. Unser Suzuki ist schon recht gebraucht und die Lenkung
ausgeschlagen. Ich benötige etwas Gewöhnung daran um
im Linksverkehr auf den engen Strassen
damit zu Gange zu kommen. Wir
fahren hoch ins Landesinnere und dann quer nach Bangli um auf die
Hauptstrasse die zum Batursee auf tausend Meter führt zu
kommen. In der
dreissigstausend Seelenstadt beziehen wir Geld am Automaten und laden
das Telefon mit 12 Franken. Auf der breiten Strasse gelangen wir
zügig an den Kraterrand. Die Chaldära
von mehreren
Kilometern Durchmesser wird vom See und einem Kegel in der Mitte
dominiert. Nun wissen wir weshalb die Strasse so menschenleer war.
Tonnen von Touristen und Einheimischen tummeln sich an diesem Sonntag
bereits in Penelokan wegen der Aussicht. Wir flüchten hinunter
in den Krater nach Toya
Bungkah. Das Resort an den heissen Quellen ist
für eine Übernachtung etwas allzu teuer. Wir finden ein
geräumiges, lieblos eingerichtetes, mässig sauberes
Zimmer. Die bessere und sogar billigere Unterkunft in der Nähe
ist ausgebucht. Aber wir können dort zu Abend essen. Yvonne
Pancakes mit Früchten und ich Süsskartoffeln mit salzigen
Kokosraspeln!
Nach einer ruhigen und insektenfreien Nacht verlassen wir
unsere Herberge über den Kraterrand Richtung Norden ans Meer.
Etliche Male halten wir um Fotos des Panoramas zu schiessen. Zur
Besichtigung der Tempel am Wegesrand bräuchten wir
traditionelle Kleidung welche wir mieten müssten. Also lassen
wir es bleiben. Die Strasse windet sich auf der Nordseite um
einiges steiler hinunter ans Meer als auf der Südseite. In
gemächlichem Tempo benötigen wir etwa drei Stunden
bis an die aus mehreren Orten bestehenden Lovina Beach. Um ein nettes
Nachtquartier zu haben, sehen wir uns ein gutes Dutzend
Unterkünfte an und beziehen dann eines der ersten welche wir
gesehen haben. Ein Holzbungalow
etwa fünfzig Meter vom Strand
entfernt. Dazwischen liegt noch das zugehörige Lokal. Den Rest
des Tages sehen wir uns zu Fuss die Umgebung an, bringen unsere
Wäsche zur Reinigung und ich versuche wieder erfolglos den
Flug per Telefon zu bezahlen.
Ich bin etwas übermüdet. Einerseits vom
Fahren heute und andererseits von den letzten beiden Nächten.
Aber den Rest hat mir sicher die Letzte der sechs Stunden entlang der
Küste um den Westen der Insel gegeben. Dies bei Chaosverkehr
und dann noch im Monsun
mit überschwemmten Strassen. Hier die kleine Rückblende ab gestern.
Einschlafen fällt nicht leicht. Nicht das Quacken der
Frösche im Teich unter unserem Bungalow stört,
sondern das Konzert weiter hinten an der Hauptstrasse.
Zugegebenermassen ist die Musik nicht schlecht, aber wen interessiert
dies wenn man gerne schlafen möchte. Um eins ist endlich Ruhe.
Nach einem erstaunlich reichhaltigen Frühstück folgen
wieder etliche Versuche einen Flug nach Java zu buchen.
Ob telefonisch oder per Internet, alles scheitert beim Bezahlen. Immerhin kann ich
erfolgreich meinen Bericht hochladen und die Mails lesen. Bei Yvonne
klappt nicht einmal das. Um vielleicht noch etwas zu erleben
fahren wir am Nachmittag zu einem Wasserfall
in der Nähe, obwohl wir uns auch davon nicht allzuviel versprechen. Wir sind wohl
etwas negativ belastet heute. Kurz vor dem Ziel angekommen warten auch
schon selbst ernannte Parkplatzeinweiser und Führer auf uns.
Aus Erfahrung parkiere ich im Niemandsland. Irgendeiner latsch uns dann
voraus. Den Weg hätte selbst ein Kind gefunden. Dank dem
nächtlichen Regen bleiben wir zwar vom Anblick eines Rinnsals
verschont, aber der Zugang nach weiter oben ist wegen der braunen Flut
schwer zu erreichen. Wir drehen um. Wortlos steigen wir ins Auto.
Wieviele die hohle Hand machen sehe ich nicht, und die Bitte um eine
Gabe für das Parkieren höre ich nicht. Also fahren
wir weiter nach Siririt um wieder das Nötigste zu kaufen.
Schokolade, Strandlatschen und so. Den Rest des Tages verplemperln wir
am wirklich friedlichen Strandabschnitt
wo wir wohnen. Später im Bett harre ich gespannt auf die ersten Klänge der
Livemusik. Mit dem Kissen über dem Kopf überstehe ich
die Stunden bis Eins. Yvonne stört das wenig, sie schläft selig.
Wir stehen um halb Sieben auf. Wie eingangs erwähnt wollen wir
die westliche Spitze von Bali umfahren. Frühstück
gibt es heute für mich und "Miss Beautyful", wie Yvonne schon
seit gestern genannt wird, erst ab Acht. Wir
überbrücken die Zeit mit Auto beladen. Oh Mann! Nice
place, but slow service! Unglaublich mit wieviel Liebe und vor allem
Zeit hier alle zubereitet wird. Um Neun geht es los. Der Westen ist im
Vergleich zum Rest der Insel menschenleer. Einsame Strände und
nur selten Hotels. Wir passieren Gilimanuk am Westzipfel. Von hier
wäre es nur ein Katzensprung nach Java wenn man uns denn mit
dem Mietauto liesse! Wir geniessen die Fahrt
durch die wenig besiedelte Gegend. Entgegen unserem Plan irgendwo vor
dem überfüllten Süden zu übernachten fahren wir weiter.
Es scheint im Südwesten kaum oder jedenfalls keine für
uns sichtbare Angebote zu geben. So enden wir im ebenfalls
äusserst touristischen Zentralbali. Entgegengesetzt positiv
ist dafür, das wir endlich den Flug nach Surabaya in einem
Reisebüro kaufen können.
Als erstes steht ein Wechsel der Unterkunft an. Das beinahe
tempelmässige Bungalow
ist zwar hübsch aber mit 32
Franken zu teuer und könnte auch sauberer sein. Da wir uns
noch die Gegend um Ubud ansehen wollen, ist deshalb ein Domizilwechsel
im Ort angesagt. Wir erfragen etliche Preise von 100 bis 17 Franken.
Wir bleiben für 17 Franken. Familiär, sauber und nett.
Endlich können wir los und den Schmetterlingspark suchen.
Einige Mankos behindern ein flottes Vorankommen. Erstens die
überladenen Lastwagen im Kriechgang. Zweitens das wilde
Parkieren auf den sonst schon engen Strassen was dann noch
zusätzlich zum Hindernis für die LKW's wird. Mit
einer Ehrenrunde in Tabanan gelangen wir zum ausserhalb gelegenen Park.
Im mit Netzen abgeschirmten Gelände sind wenige Schmetterlinge
zu sehen. In der Brutstation schon Einige mehr. In der Zeit bis sie
richtig flugfähig sind kann man sie einfach nehmen und wo hinsetzen.
Selbst am Kopf
ist das kein Problem. Interessant sind auch die gezeigten Insekten.
Einige imitieren Orchideen,
andere
Blätter.
Die Stabinsekten
krabbeln einen furchtlos auf dem Arm herum. In der
Käferausstellung ist leider der Strom ausgefallen. Wir
können nur erahnen was gezeigt werden soll. Insgesamt ein
hübscher Ort.
Auf dem Rückweg halte ich kurz bei einem Gambi Oli (heisst
Ölwechsel) um unter aufmerksamer Beobachtung der Einheimischen
die Hupe in Schwung zu bringen. Die tut schon seit Mietbeginn nur
zögerlich und ist hier doch existentiell. Aber nicht um wie
bei uns dem anderen Verkehrsteilnehmer seine Zweifel an dessen
Fahrkünsten zum Ausdruck zu bringen, sondern einfach als
Kommunikationsmittel.
Ein kurzes Hupen heisst zum Beispiel: "He du, ich
überhol dich auf deinen Moped mit zirka zehn Zentimeter
Abstand, also mach keinen Schwenker oder andere falsche Bewegungen".
Unsere Hupe ist danach etwas lauter aber reicht immer noch nicht einmal an die der Mopeds
heran. Sicher rührt das daher, das die Touristen welche das
Auto bewegt haben, sich nicht der Wichtigkeit dieses Teils bewusst
waren und deren Pflege/Einsatz vernachlässigt haben. Blinker
gelten hier dagegen wenig und Licht schon gar nichts! Das Fahrgeschick
manifestiert sich vor allem auch an der Virtuosität der Hupe.
Auf dem selben Strassenabschnitt wie gestern sind wir wieder im Regen
unterwegs, halten aber diesmal um einen Tempel
zu besichtigen. Das
zentrale Heiligtum kann nicht besichtigt werden. Dies wundert mich
nicht, denn schon die respektlosen Verewigungen am angrenzenden Turm
wären Grund genug auch diesen abzusperren! Weiter geht es zu
den gestern am Wegesrand trotz Regen bemerkten Holzschnitzern um etwas
zu kaufen. Wir suchen uns etwas aus dem überquellenden
Lagerbestand
aus. Dies ist wahrlich noch ein Familienbetrieb.
Zurück in Ubud nehme ich noch freiwillig an Yvonnes
Einkaufsbummel teil und erstehe sogar ein Leibchen und einen Pulli.
Nach zweieinhalb Stunden reicht es uns dann aber beiden und wir
verbringen einen entspannten Abend vor der morgigen Weiterfahrt.
Billig muss nicht schlecht sein. Wir sind sehr zufrieden mit
unserer Unterkunft und Frühstück gibt es auch wie
bestellt. Um Acht fahren wir aus dem noch verschlafenen Ubud los. Die
Strasse nach Norden finden wir auf Anhieb. Das Vorankommmen war in der
Gegend noch nie so leicht. Beidseits säumen Touristenläden
scheinbar endlos die Strasse. Erst nach etwa einer halben Stunde werden
Reisfelder
in hohen Terassen zwischen den Buden sichtbar. Danach
wechselt die Bepflanzung zu Mais, Tomaten und
Früchten,
ganz oben am Krater ergänzt noch Kaffee die Agrarwirtschaft.
Eine Stunde ist vergangen als wir am Kontrollposten für das
Eintrittsbillet zur Chaldära gestoppt werden. Wir versichern
ihm nur auf der Durchreise zu sein und nach Amed zu wollen. "Aber ja
nicht anhalten unterwegs" mahnt er uns noch und verlangt keine
Gebühr. Sonst hätten wir ihm ja zum Beweis noch die
Fotos von vor ein paar Tagen zeigen können. Ein kurzes
Stück fahren wir auf der selben Strasse entlang des
Kraterrandes wie damals.
Einige Kilometer auf der Nordflanke des ehemaligen Vulkans zweigen wir
auf eine Nebenstrasse ab. Dadurch können wir etwas Weg sparen.
Auch sehen wir so noch etwas mehr vom normalen Alltag der Leute. Im
Gegensatz zur Südseite von Bali, wo der Tourismus alles
dominiert. Da wir ausgezeichnet im Zeitplan liegen, können wir
einige typische Dinge festhalten. Etwa die
"Eingangstore"
zu den Dörfern oder die überall anzutreffenden
Opferkästchen.
Auch die Haustempel
welche im Vergleich zu den
eigentlichen Häusern recht überdimensioniert
scheinen lichten wir ab. Sie sind immer bergseits, gegen den Sitz der Götter,
angeordnet. Wir sind wieder am Meer. Nicht zu vergessen die allmorgenlichen
rund um das Haus ausgelegte farbenfrohen
Opfergaben. Auf der Küstenstrasse im
Nordosten der Insel bietet sich das selbe Bild wie im Nordwesten.
Landwirtschaft und Fischerei, kaum Tourismus. Erst um Amed
häufen sich die Hotels über einige Zeit entlang der Küste. Wir machen
eine Pause. Dabei haben wir beide die Idee in der kleinen Unterkunft welche
wir vor veinigen Tagen gerastet haben zu übernachten. Ich rufe an und
verhandle über den Preis. Also fahren wir weiter entlang der
Küste des Surya. In den mächtigen sich ins Meer erstreckenden Furchen des
uralten Kraters
sind kleine Fischerdörfer
gelegen. Die Strasse windet sich
endlose 22 Kilometer auf und ab, links und rechts bis wir um Zwei die
Oase der Ruhe an einem schwarzen Strand beziehen. Wer weiss wann oder
ob wir überhaupt je wieder diese Ferien am Strand sein werden.
Wir vernichten am Abend noch unsere Lagerbestände und
fallen dann in tiefen Schlaf. Frühstücken, Packen und
Losfahren. Dies wäre definitiv ein Platz zum Wiederkommen. Um
halb Zehn stehen wir vor der Autovermietung in Candi Dasa. Anstelle ein
Taxi für 25 Franken von hier nach Kuta zu bezahlen,
nehmen wir einen Fahrer mit und versprechen dort voll zu tanken.
Glücklicherweise fahre ich selbst. Wie sich anhand der
Mahnungen unseres Wagenrückführers erahnen
lässt, ist er leicht ängstlich. Wir schaffen die
Strecke bei mässigem Verkehr und trotz diversen Baustellen in
eindreiviertel Stunden. Wäre unser Begleiter wie vorgeschlagen
gefahren hätte es sicher einiges länger gedauert.
Wir tanken wie versprochen. Jedoch halte ich dem Tankwart nur
fünf Franken hin wofür es knapp über den
halben Tankinhalt reicht. Unser Angsthase auf der Rückbank ist
zufrieden. So sparen wir insgesamt zehn Franken oder ungefähr
unser Nachtessen. Mitten in Kuta halten wir bei einem Hotel welches
optisch unseren Preisvorstellungen entsprechen könnte. Bingo!
40 Franken kostet die Nacht. Wir entlassen unseren Mitfahrer
für die Heimreise.
Den Nachmittag schlendern wir durch ein grosses Einkaufscenter und
tätigen kleinere Anschaffungen.
Um Sieben Uhr früh sind wir am Flughafen in Kuta und Punkt zwanzig vor
Neun heben wir ab um eine Stunde später in
Surabaya zu
landen. Wie irgendwie vermutet ist keine der erhofften Autovermietungen
vor Ort. Meine Anrufversuche auf die aus dem Internet
recherchierten Nummern bleiben ebenso erfolglos. Auch die
Touristeninformation kann keine gültige Nummer ausmachen.
Unsere Pläne selbst zu fahren lösen sich wieder
einmal in Luft auf. Aber das ist erste der Anfang!
Wir einigen uns mit einem Taxifahrer dass er uns für
fünfzig Franken die hundertzwanzig Kilometer zum Vulkan Bromo
hoch fährt. Um Zehn fahren wir los. Der Verkehr im
bevölkerungsreichen Java ist auf den wenigen Hauptstrassen
sehr
dicht. Die Busse für den Nahverkehr fahren vor und stechen in
jede nicht existente Lücke um kurz darauf wieder für
Leute anzuhalten. Nach zwei Stunden endlich zweigen wir auf eine
Nebenstrasse ab welche den Kegel hoch führt. Immer steiler und
enger schlängelt sich die Strasse hinauf. Unser Ziel, der Rand
der Chaldära in über zweitausend Meter Höhe,
ist im Nebel und den Wolken nicht zu sehen. Nach etwa Dreiviertel des
Anstiegs verändert sich die Landschaft. Mehr und mehr ist
alles
von einer schwarzen Ascheschicht bedeckt. Etwa sechs Kilometer
vor unserem Ziel ist die Vegetation schon arg in Mitleidenschaft
gezogen. Bäume beschädigt, Büsche geknickt
und die ganzen Pflanzbeete der Bauern von einer mindestens 20
Zentimeter
dicken Schicht bedeckt. Die Ernte ist vernichtet. Wir bitten
den Fahrer zu halten. Das der Bromo aktiver als sonst ist wissen wir.
Aber wir befinden uns nun etwa sechs Kilometer vom Rand der
Chaldära und somit etwa acht Kilometer vom Krater des Bromo
entfernt. Wir wussten das man nicht wie gewöhnlich bis zum
Krater hin kann. Aber aufs Geratwohl in einer
Mondlandschaft
herum zu stapfen scheint zu trist. Schade, wir haben uns auf zwei Tage Bewegung in
kühler Bergluft und etwas weg vom Trubel gefreut. Die Strasse ist ab hier auch
noch nocht nicht von der Asche geräumt und es würde sicher an eine
Stunde zur Überwindung der letzten Kilometer
dauern. Wir wenden und einigen uns mit dem Fahrer gegen einen geringen
Aufpreis zur Rückfahrt an den Flughafen, da er ja onehin
dorthin zurück muss. Um fünf Uhr Nachmittags sind wir
wieder am Flughafen.
Schon ziehmlich gerädert beschliessen wir nach Yogyakarta
weiter zu reisen. Vorzugsweise per Flugzeug. Um sieben geht ein Flug
mit Lion Air. Das Ticket kostet pro Person 37 Franken. Wir heben
einigermassen pünktlich ab. Der Flug ist voll besetzt.
Unterhaltung und Verpflegung gestrichen. Alles billig eben. Nach halber
Flugdauer müssen wir ein Gewitter umfliegen und geraten in
Turbulenzen. Zum Glück habe ich schon den ganzen Tag nichts
gegessen, sonst müsste ich nach dem zweimaligen Absacken den
Speibeutel hervorholen. Zur Verlängerung unserer aller
Flugfreuden dürfen wir wegen hohem Flugaufkommen noch drei
Ehrenrunden drehen. Kaum jemand stört sich deshalb nach diesem Flug beim
Aussteigen und Gang zum Terminal am allabendlichen strömende
Regen. Todmüde fallen wir nach kurzem Nachtessen um halb Elf
ins Bett des engen Zimmers im vorbestellten Hotel im Stadtzentrum.
Wir schlafen mässig gut. Um fünf Uhr morgens
ertönt zurück im Land der Muslime der Ruf der Muezzine.
Glücklicherweise nur kurz. Mit dem
Preis-Leistungsverhältnis unserer Herberge nicht zufrieden
sehen wir uns nach dem Frühstück wieder einige Hotels
an. Im Peti Mas handeln wir den Preis auf vierzig Franken herunter und
kreuzen dort eine halbe Stunde später wieder mit dem
Gepäck auf. Die verwinkelten Gebäude sind um einen
schönen Garten mit Pool angeordnet. Unser Zimmer welches wir
vorher begutachtet haben genügend gross. Auch ist es nahe an der
Einkaufsmeile
und dem alten Stadtzentrum gelegen.
Später
flanieren wir unter den Arkaden der Jalan Maliboro Richtung Kraton, dem
alten Sultanspalast. Ich erstehe erneut zwei Paar Edelstahlohrringe
für total zehn Franken. Unglaublich was hier an Bergen von
Textilien angeboten wird. Auch die Einkaufshäuser sind
übervoll. Die Preise entsprechend dem Einkommen der Leute
tief. Beim heute geschlossenen Fort der ehemaligen Kolonialmacht
Niederlande erfahren wir unfreiwillig von einer Batikausstellung vieler
hier einheimischen Künstler in der Nähe. In
der flirrenden Mittagshitze schleppen wir uns dorthin. Wir verlaufen uns
dabei ein wenig und sehen so wie sich das täglich
Leben der Leute in den engen Gassen abspielt. In meist einstöckigen
Gebäuden wohnen Jung und Alt unter einem Dach. In kleinen
Räumen wird zusammen gegessen und gelebt. Aus einem
Klassenzimmer dröhnt das Repetieren der Kinder.
Später spielen sie genauso schreiend im Pausenhof wie bei uns
zu Hause.
Wir erreichen dann die Ausstellung.
Dankbar nehmen wir ein Glas Wasser entgegen. Unglaublich welch Haufen in
Batik Technik gefertigter Bilder
hier herumstehen. Es sind Werke von rund dreihundert Künstler
unter diesem Dach vorhanden. Bei der Batik werden die von Farbe frei zu
lassenden Partien mit Hilfe von Wachs abgedeckt. Mit den hellen Farben
wird zuerst begonnen. Der Wachs wird durch Auskochen wieder entfernt. Je
nach Farbspiel muss dieser Vorgang einige Male durchgeführt
werden. Wir kaufen einige Tücher auch wenn die Wände zu Hause
dafür noch gar nicht stehen. Hier zwei Beispiele was wir
gekauft haben. Eines
von mir und eines
von Yvonne. Wenn das so weiter
geht reisen wir sicher mit deutlich mehr Gewicht nach Hause. Aber am
Limit vom 30 Kilo sind wir beide noch lange nicht.
Wieder einmal etwas Bummeln in der Stadt angesagt. Sofern man
bei mindestens 25 Grad im Schatten davon reden kann. Wir halten uns so
viel wie möglich im Schatten auf. Als erstes erkunden wir uns
nach den Zügen nach Jakarta. Als Eisenbahn-Weltmeister kommt
einem hier alles recht improvisiert vor. Die Loks sind dieselbetrieben. Der
Auskunftschalter mindestens aus Mitte des letzten Jahrhunderts. Die
Executive-Klasse mit Klimaanlage und nummerierten Sitzen kostet
ungefähr 27 Franken. Die Fahrt dauert etwa sieben bis acht
Stunden. Es verkehren diverse Züge
pro Tag.
Quer zurück durchs Zentrum
gehen wir zum ehemaligen
Sultanspalast. Wie üblich ist alles Historische meist sehr
bescheiden hergerichtet. So auch hier. Den Nordteil
des Palastes haben wir schnell gesehen. Wir rasten und trinken etwas. Als wir
den eigentlichen Palastbereich sehen wollen winken zwei Touristen ab. Seit
14 Uhr sei er geschlossen. Geschäftstüchtig wie die
Einheimischen sind, ist sowieso für die einzelnen Bezirke
immer wieder separat Eintritt zu bezahlen. Foto und Filmaufnahmen sind
zusätzlich zu berappen. Nun ja, wenn nicht mehr heute, dann
eventuell morgen oder so.
Endlich wieder ein wenig mehr Freiheit. Wir haben ein Moped
gemietet. Damit fahren wir nach Osten zum Candi Prambanan.
Wegen der Hitze und des Verkehrs geht es um halb Acht los. Ich fahre nach Bauch
den Erläuterungen des Vermieters nach ohne auf Strassennamen
zu achten. Nachdem wir auf der Hauptstrasse sind geht es eh nur noch
für zehn Kilometer geradeaus. Wir erreichen den
Hinduistisch-buddhistischen Tempelkomplex nach 30 Minuten. Der
bekanntere hinduistische Teil wird vor uns gerade von Horden von
einheimischen Schulklassen heimgesucht. Wir lassen uns deshalb Zeit um
in Ruhe die Bauwerke
bestaunen zu können. Dies gelingt uns
auch. Im mehrere Hektaren grossen Gelände ist ein kleines
Museum wo wenige Exponate
ausgestellt sind. Dort sehen wir uns noch
eine etwa dreissigjährige Dokumentation zu den Reliefs der
Tempel an. Zum Verständnis der Anlage wäre dies
für uns zu Beginn von Vorteil gewesen, da unser Buch nicht so
viel hergibt.
Nach einer Rast sind wir vor Mittag zum etwas weniger imposanten
Sewu-Tempel
unterwegs. Im Hintergrund ist der Merapi heute beinahe wolkenfrei.
Langsam wird es heiss. Den Unterschied zum Prambanan ist vor allem an
den Buddhastatuen zu erkennen. Sonst wirkt der vor allem aus nur einem
Hauptbau bestehende Tempel vor allem wuchtiger. Wie beim Prambanan sind
die hunderte kleinen Tempel ringsum wegen der Erdbeben ein
Trümmerfeld. Schade, die Anlagen wären sonst um
einiges eindrücklicher! Wir legen im Schutz der Bäume die
zwei Kilometer bis zum Parkplatz zurück. Der Heimweg ins Hotel
ist nun richtig anspruchsvoll im dichten Gewimmel von Mopeds, Autos und
Bussen. Aber ich mag dieses Ineinanderfliessen der Fahrzeuge. An der
hiesigen Toleranz könnten wir uns zu Hause eine Scheibe
abschneiden. Ohne Probleme finden wir auch den Heimweg.
Die Miete des Mopeds läuft noch bis am Abend. Also ist noch
Zeit und Möglichkeit den seit längerem vom
Zentrum wegverlegten Vogelmarkt zu besuchen. Wir stürzen uns
wieder ins Getümmel. Der Weg ist relativ einfach zu finden.
Alles gerade aus. In der geordneten Marktanlage treffen wir zuerst auf
die Futterabteilung. Grillen, Ameisen und Maden werden zu Hauf in
grossen Rattanschalen
angeboten. Dann folgen diverse Abteilungen
von kleinen und grossen Vögeln, Hühnern und auch
Tauben. Ebenso gibt es Flughunde und sogar kleine Echsen zu kaufen.
Natürlich fehlt auch das Zubehör wie Käfige
und so weiter nicht. Wie vermutet entsprechen die Zustände
nicht unserem schweizerischen Verständnis von artgerechter
Tierhaltung. Vor allem kleine Vögel werden dutzendweise in zu
engen Käfigen
gehalten. Am liebsten würden wir sie frei lassen. Nach 15
Minuten besteigen wir wenig fasziniert wieder unser Transportmittel und
bringen es fristgerecht zurück.
Heute klappt ja bisher alles wie am Schnürchen. Wir
sitzen beim Morgenessen als das Mietauto gebracht wird.
Formalitäten erledigen und einige Fotos des Kleinwagens zur
Absicherung aufnehmen. Edel ist der kleine Daihatsu ja nicht mehr aber
soweit in Ordnung. Für 22 Franken kann man auch nicht zuviel
verlangen. Da wir
nun wissen, dass wir die nächsten Tage nach Plan verbringen
können sind wir unterwegs zum Bahnhof um Zugtickets nach
Jakarta zu kaufen. Auch das erledigt sich problemlos. Das Ticket anhand
des vorgängig handschriftlich erhaltenen
Fahrplanes
kostet pro Person 24 Franken.
Danach geht es zügig auf der doppelspurigen Strasse nach
Norden Richtung Borobudur. Etwa eine halbe Stunde geniessen wir freie
Fahrt. Dann geht nichts mehr. Der Verkehr steht zwei- bis dreispurig. Wir
können nur es vermuten. Wie wir gehört haben wurde wegen
eines Erdrutsches
eine Brücke beschädigt. Gut dreiviertel Stunden später
wissen wir es genauer. Die Fahrbahn
ist auf über fünfzig Metern Breite bis zwei Meter
hoch mit Sand und Blöcken
aus den Hängen des Merapi
bedeckt und diese Hänge steigen erst in einigen Kilometern
Entfernung richtig an. Massive Regenfälle müssen hier
deshalb am Werk gewesen sein. Es wird emsig gebaggert und geräumt.
Nach diesem Engpass geht es dann wieder im ursprünglichen
Tempo weiter. Noch zehn Kilometer bis zum Ort mit dem UNESCO Weltkulturerbe.
Das Hotel am Fusse des riesigen Tempels ist leider ausgebucht. Kein
Wunder bei dem guten Preis-Leistungsverhältnis. Also weichen wir auf
Grund der anderen eher schmuddeligen Unterkünfte auf
ein edles Hotel für 90 Franken aus. Schön wenn man
das kann und nicht auf Teufel komm raus wegen dem Geld in einem Loch hausen
muss. Der billige Mietwagen trägt zur Einhaltung des Budgets
auch seinen Teil bei da wir ursprünglich mit hoheren Kosten
gerechnet haben.
Yvonne hat leicht Fieber und so ist es umso besser das wir in einem
vernünftigen Hotel logieren. Ausserdem wollen wir sowieso erst
morgen früh den Steinhaufen erklimmen. Sie kann sich ausruhen
und ich schreibe und muss nach mehreren Wochen einheimischen
Plingelings mal wieder etwas für mein Gemüt in Form
von Metal aus der Konserve tun.
Um nicht bei allzu grosser Hitze den Tempel von Borobudur
erklimmen zu müssen, sind wir zeitig unterwegs dorthin. Ein
kurzer Fussmarsch führt uns zum Eingang. Es gibt zwei
Zugänge.
Einen für die Einheimischen, die bezahlen 2.50 Franken, und
einen für uns welche als reiche Touristen die Erhaltung mit 15
Franken finanzieren. Abgesehen davon, dass der Tempel schon mit
über 20 Millionen aus der Kasse der Unesco restauriert wurde.
Wir bekommen immer wieder den Eindruck, dass die Indonesier selbst
nicht wirklich am Fortbestehen ihrer Baudenkmäler interessiert
sind. Der Rest der Welt hat aber eben keine Probleme des
täglichen Überlebenskampfes und soll deshalb wenn er
Wert auf solchen Luxus legt ihn auch bezahlen. Der Ansturm
hält sich in Grenzen. Wir umrunden eine Plattform um die
andere im Uhrzeigersinn und sehen uns die Reliefs
an. Umschreitet man
alle der insgesamt neun Plattformen legt man damit über zwei
Kilometer zurück. An manchen Plätzen wird gereinigt,
an anderen Blöcke an ihren Platz gerückt. Die
obersten Ebenen sind wegen Reinigungsarbeiten gesperrt. Ist ja egal ob
da keiner werkelt und auch die Asche des Merapi schon vom Regen
weggewaschen ist. Hauptsache die Touristen haben bezahlt. Eine
schlüssige Erklärung darf man auf jeden Fall nicht
erwarten. Wäre die Sperrung zum Schutz des Denkmals
und auch so deklariert, dann würden wir das vorbehaltlos hinnehmen.
Noch
kurz sehen wir uns die Ausstellung zum Versuch mit einem Schiffsnachbau
wie auf den Tempelreliefs abgebildet bis nach Afrika zu gelangen an. Es wurde
geschafft. Das kleine Museum ist wieder lieblos wie üblich
gestaltet. Englische Erklärungen Mangelware. Vielleicht oder
gerade weil ich schon soviel gesehen habe, erstaunt mich immer wieder
mit welchem Dilettantismus hier vorgegangen wird. Und das obwohl man ein
internationales Puplikum erreichen will. Wie schon im Prambanan darf
man zum Schluss noch durch ein Labyrinth von Souvenierständen
wandeln um den Ausgang zu erreichen. Nochmal ein Minuspunkt für
den eigentlich schönen Tempel.
Wir sind unterwegs in die Berge zum Dieng Plateau. Unsere Basis soll in
Wonosobo auf rund neunhundert Meter über Meer liegen. Die
kühlere Bergluft wird uns gut tun nach den Wochen in der Hitze
im Flachen. Auf einer Nebenstrasse kürzen wir ab und umgehen
so auch den mässigen
Verkehr. Die Landschaft bietet einige schöne Aussichten. Um
Zwei beziehen wir ein Zimmer
und beobachten den Rest des Nachmittags
das Treiben im Zentrum. Unser Nachtessen ist Martabak. Ei mit
Gemüse welches in einen feinen Teig eingewickelt frittiert
wird. Wir sind des Reis und der Nudeln langsam
überdrüssig. Essen heisst hier halt
hauptsächlich den Magen füllen. Deshalb ist der
Garstand welches diese Schnellessen anbietet eine willkomene
Abwechslung. Vor dem Schlafen sehen wir uns noch einen Film auf meinem
Netbook an. Das Fernsehen hier ist noch dümmer als die
Privatsender zu Hause und nicht auszuhalten!
Wir packen. Eigentlich wollten wir mindestens zwei
Nächte hier bleiben aber es kann ja sein dass auf dem Dieng
Plateau ein nettes und ruhiges Hotel auf uns wartet. Abgesehen davon
sind die Moscheen hier im Zentrum wohl im Wettstreit wer die schlafende
Bevölkerung um fünf Uhr früh länger
beschallen kann. Als würde ein Muhezzin nicht reichen!
Eigentlich sollten wir vor unserer Haustüre kehren. Auch
bei uns müssen alle Kirchen im Dorf zur Nachtzeit die
Viertelstunden schlagen. Eine würde ebenso reichen.
Die Strasse steigt an und wir fahren in die Wolken und den Nebel. Die
Bergflanken
sind beinahe ausnamslos terassiert und mit Gemüse
bepflanzt. Mit allem was es auch bei uns zu finden gibt. Wir
überschreiten die Krete zum Plateau und fahren erst zu den
Zwillingsseen. Es dauert einen Moment bis wir realisieren was hier so
stinkt. Es sind die Schwefeldämpfe aus dem einen See.
Ausflügler
hat es einige aber wir sind die einzigen
Ausländer. Wieder kommen die selben üblichen Fragen.
"Mister, where you come from"? "Make picture with me"? und so weiter.
Weshalb die mit uns bleichgesichtern Fotos machen wollen wissen wir
immer noch nicht genau. Zum ersten Mal brauchen wir unsere
Faserpelzpullis. Die Temperatur auf zweitausend Meter liegt so um die
fünfzehn Grad. Noch beim Umwandern des von Schwefel leicht
grünen Sees
müssen wir die Regenjacken hervorkramen. Es beginnt zu nieseln.
Die nächste Station sind heisse Quellen und
Schlammlöcher. Der Weg durch den stark schwefelhaltigen
Dampf
verschlägt uns den Atem. Ein Bursche verkauft Schutzmasken.
Als würden die gegen diese Form von Gasen wirken! Die
Einheimischen kaufen trotzdem rege. Am grössten Loch ist
die braune Suppe die da brodelt vor Dampf kaum zu sehen. Auch rundherum
dampft und zischt es an etlichen Stellen. Ein spannender Platz am Puls der Urgewalten.
Wir wollen uns noch so ein Ding ansehen und fahren weiter. Die
Landschaft ist durchzogen von Wasserrohren welche Geothermiekraftwerke
speisen. Die zweite heisse Quelle
ist ein grosser Tümpel mit
heissem Wasser welchen wir schnell gesehen haben. Die letzte Station
sind noch alte Tempel in Mitten des Plateaus. Von den
ursprünglich sicher eindrücklichen Bauten
ist nicht mehr viel zu sehen. Der Grossteil der Steine wird wohl in den
Häusern des Dorfes zu finden sein. Nach dem Wechsel der
Religion vom Hinduismus/Buddhismus zum Islam wurde den Sakralbauten
keine Bedeutung mehr zuteil und sie billiges Baumaterial. Eigentlich
verständlich. Die Wahl des Platzes in dieser Ebene ist klar.
Dem Himmel nah, schön gelegen und voller geheimnisvoller
Mächte und Kräfte
der Erde. Schade nur das die Witterung heute nicht mitspielt. Wie
Herbstwetter in der Schweiz. Ein passsable Unterkunft haben wir nicht
ausgemacht und zudem dank dem
Auto auch schon alles wichtige gesehen. Um Drei fahren wir im
strömenden Regen wider im selben Hotel in Wonosobo ein welches
wir am Morgen verlassen haben.
In drei Stunden fahren wir von Wonosobo nach Yogya zurück in die Wärme. Noch einmal passieren wir den Murgang in Salem. Soweit das Wort zum heutigen Sonntag.
Den letzten Tag vor der Heimreise verbringen wir relativ tatenlos. Wir klappern die wie üblich geschäftigen Einkaufsstrassen für zwei letzte Besorgungen ab. Auch Yvonne hat nun gelernt nicht auf jede Frage der Einheimischen zu reagieren. Ignorieren ist meist das beste Mittel um seine Ruhe zu haben. Manchmal reicht schon ein Blick unsererseits und die Verkäufer, Rickschafahrer oder wer auch immer glaubt schon das grosse Geschäft machen zu können und legt gleich los. Ebenso verhandelt sie nun schon recht geschickt wie hier leider vor allem für Touristen nötig. Denn von uns werden generell teilweise massiv überhöhte Preise velangt. Manchmal fehlt es noch etwas an der letzten Härte und meist ist ihr erstes Gegengebot zu hoch aber die Fortschritte sind beachtlich. Auch wenn man so lange Reiserfahrung hat wie ich, ist man nicht immer davor gefeit zuviel zu berappen. Es braucht halt seine Zeit bis man das Preisgefüge im jeweiligen Land kennt und nicht dauernd Lehrgeld bezahlt. Zum Glück belaufen sich die Preisaufschläge im Rappen-, maximal im Frankenbereich was uns nicht wirklich heftig schädigt.
Wir sind nach einer monströsen Reise heil zurück in der Schweiz angelangt.
Die Anfangsetappe um zehn Uhr Morgens bildet eine Bahnfahrt von
Yogyakarta nach Jakarta. Der als "Eksekutiv"
titulierte Schnellzug entspricht in keiner Art unserer Vorstellung davon. Zugegebenermassen
sind wir als Schweizer natürlich etwas verwöhnt. Der Zug fährt jedoch pünktlich los.
Das Tempo beträgt irgendwo zwischen 60 und 80km/h. Ist vielleicht besser bei der Qualität
der Geleise! Etwas Abwechslung auf der eher eintönig an uns vorbeirauschenden
Landschaft bringt
die Maus welche sich im der Wagenverkleidung eingenistet hat. Zu Essen findet sie dank des
während der Fahrt auf Bestellung servierten Mahlzeiten genug. So huscht sie unter den Bänken
umher und verschwindet immer wieder in der Verkleidung. Auch die defekte Schiebetür sorgt
für Unterhaltung. Kein Zugsbegleiter, Reinigungs- oder Servierangestellter welcher
nicht erfolglos versucht die Türe gängig zu machen. Wir vermuten das der Defekt aber nach
Erreichen des Ziels wieder vergessen wird und so noch lange für Unterhaltung sorgt. Die letzte halbe
der insgesamt acht Stunden fahren wir durch die Stadt ins Zentrum von Jakarta.
Eine weitere Stunde dauert das Überwinden der 18 Kilometer hinaus zum Flughafen. Zum Glück ist die
Stosszeit vorüber und wir zudem nehmen die Autobahn. Uns schaudert der Gedanke den Verkehr bei
Stosszeit erleben zu müssen.
Nun folgen fünf Stunden am Flughafen.
Etwas Kurzweil gibt es durch das Bezahlen der Gebühr des Umbuchens unseres Heimfluges.
Entgegen des Planes eien Tag in der Hauptstadt zu verbringen, wollen
wir gleich weiter nach Hause.
Kurz nach Mitternacht heben wir ab und und können es uns dank halb
leerem Flugzeug richtig bequem machen und auf vier Sitzen liegen. So vergehen die neuen Stunden
einigermasen erträglich. Nur das dauernde Schütteln zwischen Java und Indien nervt leicht. Und das
sind doch gut vier Stunden Dauermassage. Nach einer kleinen Flughafenrundfahrt per Flugzeug und Bus stehen
wir endlich im Transit des Flughafens von Dubai.
Der temperaturmässig wie auch atmosphärisch kalte Terminal macht einem die Warterei nicht einfach.
Will man in Dubai gemütlich die Zeit verbringen steht man unter dem Zwang eines Mindestkonsums in einem
der Lokale. Voll auf Einkauf ausgelegt wird den wartenden Reisenden hauptsächlich Luxusware aus allen
herren Länder angeboten. Gemütlicher Aufenthalt dagegen wenig. Im ganzen Transit steht einzig ein
öffentlicher, nicht konsumationspflichtiger Raucherraum von zehn Quadratmetern für hunderte Reisender
zur Verfügung! Nach drei Stunden geht es weiter.
Auch der Flug nach Zürich ist
dank Wochenmitte nicht komplett gebucht. So lege ich mich zwischen den
Sitzreihen auf den Boden und Yvonne macht es sich oben bequem. Wir versuchen somit etwas zu schlafen.
Erstens um auszuruhen und zweitens um die Flugdauer subjektiv etwas zu verkürzen. Dies gelingt nur
teilweise aber immerhin etwas. Die sieben Stunden wollen kein Ende nehmen. Dank moderner Technik
verkürzen wir die Absitzerei zusätzlich mit Spielfilmen. Nach insgesamt 33 Stunden unterwegs landen
wir endlich in Zürich. Um den Jetlag besser überwinden zu können zwingen wir uns den Tag bis zur Nacht weiter zu ziehen.
Nach Neun folgt der endgültige Zusammenbruch...